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ehem. Remigiushaus Exerzitienhaus - (Villa Marx)


Die ehemalige Villa des Lederfabrikanten Karl Marx wurde 1921 nach Plänen des bekannten Mönchengladbacher Architekten Robert Neuhaus erbaut. 1950 wurde das Anwesen von seinen damaligen Besitzern, den Geschwistern Rath, an das Bistum Aachen veräußert, jedoch erst 1957 von Besatzungseinrichtungen geräumt und anschließend zum Exerzitienhaus des Bistums Aachen ( Remigiushaus ) umgenutzt und erweitert.

Das Gebäude liegt etwas zurück von der Straße hinter

Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde
einer zeitgenössischen Einfriedungsmauer. Hinter dem Haus erstreckt sich ein zwar schmales aber ungewöhnlich tiefes Gartengrundstück. In ihm wurde 1957/58 ein langgestreckter Neubau errichtet (Architekt: Hermann Josef Leo, Viersen). Bei der Villa handelt sich um einen über Sockelgeschoss zweigeschossigen Putzbau in neubarocker Formensprache mit Mansard-Schieferdach (der obere Teil heute mit Ziegeln gedeckt). Der auf annähernd quadratischer Grundfläche errichtete Bau ist auf allen vier Seiten durch verschiedenförmige Ausbauten erweitert ein in der Villenarchitektur seit der Renaissance klassisches Motiv, später in anderem Maßstab auch bei Maisons de Plaisance des 18. Jahrhunderts anzutreffen. Das Mansard-geschoss besitzt in regelmäßigen Abständen segmentbogige Dachgauben. Das Äußere der Villa zeigt sich in vornehmer Zurückhaltung, zu der allerdings im Detail auch kleine Purifizierungen der 1950er Jahre beitragen. Die Mitte der straßenseitigen Fassade wird im Erdgeschoss durch einen dreiseitigen erkerartigen Vorbau betont, der im Obergeschoss einen Austritt vor einer Dreiergruppe Fenster bzw. Fenstertür ausbildet. Rechts und links flankiert jeweils eine Fensterachse diese Mittelachse. Ein umlaufendes dünnes Sohlbankgesims trennt die beiden Geschosse, das Kranzgesims wird durch einen flachen klassizierenden Klötzchenfries akzentuiert. Die hochrechteckigen Fenster haben gerade Stürze; nach vorne im Erdgeschoss werden sie von einem geraden Gebälk mit Halbrund und Muschelmotiv bekrönt. Der Haupteingang befindet sich an der linken Seite in einem eingeschossigen rechteckigen Vorbau mit Walmdach und Dreiecksgiebel. Die originale Haustür (zweiflüglig mit Glaseinsätzen in kassettierten, mit Kreuzformen geschmückten Feldern und trophäenartig ornamentiertem Oberlicht) sitzt über drei Stufen erhöht in einer Werksteinrahmung. Flankiert wird der Eingang von kleinen Annexräumen (Ablage / Garderobe), an deren Rückseite sich ein ehemaliger Dienstboteneingang (ebenfalls mit originaler Tür) befindet in den Entwurfsplänen war ihm benachbart die Küche vorgesehen. Die kleinen hochrechteckigen Fenster dieses Vorbaus sind mit Ziergittern versehen. Auf der Gartenseite war der bei Bauten dieses Typs übliche eingeschossige Wintergarten mit Austritt im Obergeschoss angeordnet. Beim Umbau 1957/58 wurde der Austritt geschlossen; der Anbau schließt mit einem Gelenkbau seitlich an den dreiseitig vor die Flucht tretenden Wintergarten an, der heute als eine Art Vestibül zu den Räumen des Altbaus dient. Im Innern sind trotz der Nutzungsänderung der 1950er Jahre Raumaufteilung und Ausstattung im Wesentlichen, z.T. bis in Details noch ursprünglich erhalten. Im Mittelpunkt steht eine stattliche Treppenhaushalle mit zweiläufiger Treppe an zwei Seiten und Galerie im Obergeschoss, die zentral die weiteren Räume erschließt. Zwischen Erd- und Obergeschoss ist die Treppe aufwändig verziert (ornamentierte Geländerbretter, Anfängerpfosten), zwischen Ober- und Dachgeschoss wie üblich schlicht gehalten. Hölzerne Wandverkleidungen und Türen samt Gewände tragen zum gediegenen Raumeindruck ebenso bei wie der in Hallen dieser Art übliche Kamin. Der alte Eingangsflur, in dem einige Stufen auf das Erdgeschossniveau führen, ist mit einem Tonnengewölbe ausgestaltet und besitzt eine dezente Stuckgliederung mit Gurtbögen auf Pilastern, Fries und Deckenspiegel. Eine zweiflügelige Flurtür (Holzrahmen mit großen Glaseinsätzen) mit Oberlicht und anschließender kassettierter Deckenverkleidung akzentuiert den Übergang vom Flur in die Treppenhalle. Auch die um die Halle herum im Erdgeschoss angeordneten großen Räume, ehemals Empfangs-, Ess- und Salonzimmer, besitzen noch Parkettböden, Wand- und Heizkörperverkleidungen, meist aus dunklem Edelholz und stuckierten Deckenschmuck (Mittelrosette mit Kehlfries). Bemerkenswert und bezeichnend für die Detailfinesse der Ausstattung sind die variierenden Supraporte-Motive. Flügeltüren und Wandschränke tragen zum weitgehend original erhaltenen Raumbild bei. Der vierte Raum des Erdgeschosses enthielt laut Baugesuchszeichnung ursprünglich die Küche; diese befindet sich heute im Kellergeschoss. Auch in den Räumen des Obergeschosses sind Ausstattungsdetails wie Wandverkleidungen und -schränke erhalten. Die Anordnung untergeordneter Räume im Mansardgeschoss (ehemals u.a. wohl Personalzimmer) ist ebenfalls noch ablesbar. Zur Gerberstraße wird das Grundstück durch einen Metallzaun mit durch große Laternenaufsätze bekrönten Natursteinpfeilern abgeschlossen. Der zugehörige Garten ist in seiner ungewöhnlichen Größe durch den Erweiterungsbau zwar beschnitten, seine Großzügigkeit und Gestaltung gleichwohl noch erlebbar. Die heutige Wegeführung und Raumgliederung geht zwar möglicherweise auf die Umnutzung in den fünfziger Jahren zurück, korrespondiert in Grundzügen der geschwungenen Wege aber mit den Entwurfsplänen von 1921. Der Architekt Robert Neuhaus (1864 1934) war gebürtig aus Krefeld. 1887 94 lebte er in Köln, wo er als freischaffender Architekt gemeinsam mit Carl Schauppmeyer ein Büro unterhielt. 1894/95 zog er nach Rheydt, nachdem ihm dort im Wettbewerb für den Rathausneubau zunächst der dritte Preis und dann die Ausführung zugesprochen worden waren. 1895/96 entstand das monumentale Rheydter Rathaus nach seinen Plänen in historistischem Stil (1902 ähnlich das Rathaus in Hamborn), ebenso wie um 1900 die bekannten Häuser Bismarckstraße 97 und 99 in Mönchengladbach. In der Folgezeit entwickelte sich Neuhaus zusammen mit seinem Teilhaber August Stief zu einem bedeutenden Villenarchitekten in Rheydt und Mönchengladbach, der die Wohn- und Landhäuser für zahlreiche Unternehmerpersönlichkeiten der beiden Städte entwarf. Hervorzuheben sind die überaus stattliche Villa Hecht, Mozartstr. 19 in Mönchengladbach, 1914 16 in neubarockem Stil errichtet, und die Neubauten des Gutes Zoppenbroich für Ernst Bresges. 1934 ist Neuhaus in Wassenberg gestorben.Das Gesamtwerk von Robert Neuhaus ist erst in Ansätzen gesichtet. Die Prominenz seiner Auftraggeber und der ihm übertragenen Bauaufgaben weisen ihn als einen regional überaus gefragten und bedeutenden Architekten aus. Stilistisch spiegelt sich in seinen bekannten Bauten der wechselnde Geschmack der Jahrzehnte zwischen 1890 und 1930 wider. Neben neugotischen und Neurenaissance-Entwürfen stehen vor allem in der Spätzeit nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche neubarocke Beispiele, zu denen auch die Villa Karl Marx in Viersen zählt. Weitere Gebäude von Neuhaus in Viersen sind die Villa Ernst Heine, Heimbachstr. 12, und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik Gebr. Heine, Greefsallee / Ringstraße, beide Bauten als Baudenkmäler geschützt bzw. beantragt. Seine Entwurfsphilosophie beschrieb Neuhaus in einer Selbstdarstellung seines Büros, die etwa zur selben Zeit wie die Villa Karl Marx entstand, wie folgt: Bei den Wohnhäusern sind einige reich in echtem Werkstein gestaltet, aber die einfachen Putzbauten sind vorherrschend. Sie können gleichsam als Schulbeispiel dafür dienen, wie aus der Notzeit der Baukunst das schlichte Bürgerhaus wieder hervorgegangen ist. Dabei fällt es auf, dass diese höchst einfachen Häuser vornehmer wirken, wie die mit Erkern, Türmchen, Zierformen und Giebeln allzu sehr geschmückten Villen der verflossenen üppigen Zeit vor dem großen Kriege. Dass diese glatte Bauart mit den einfachen Dachformen dem Wetter wenig Angriffspunkte bietet und Schäden hierdurch nicht so leicht entstehen können, mag als besonderer Vorzug vermerkt werden. Indem nach außen aller Aufwand vermieden wurde, konnten umso mehr die zur Verfügung stehenden Mittel zur behaglichen und gediegenen Einrichtung im Innern verwandt werden. Wurden außerdem die Mittel bewilligt, um bei der Ausstattung der Haupträume auch die Möbel nach besonderen Entwürfen der Architekten neu zu beschaffen, so konnten in kultivierter Sachlichkeit vorbildliche Wohnungen entstehen. Die gute Verbindung des Hauses mit dem Garten ist in der Regel durch eine offene Halle herbeigeführt und in den Fällen, wo die Neugestaltung des Gartens in die Hände der Architekten gelegt war, wurden vollkommene Lösungen erreicht, so dass hier der Garten wirklich als erweiterte Wohnung erscheint. (Quelle: Lit 1, Seite 5f.) Es handelt sich um ein anschaulich erhaltenes Beispiel gehobener bürgerlicher Wohnkultur der frühen 1920er Jahre in Viersen. Stilgeschichtlich steht das Gebäude für eine vom Historismus und Jugendstil abgesetzte neubarocke Richtung im Villenbau, die in den frühen zwanziger Jahren als Würdeform verbreitet war. Das Haus ist daher ein wichtiges Bindeglied zwischen den bedeutenden Viersener Unternehmervillen der Gründer- und Kaiserzeit vor 1914 und den moderneren Wohnhäusern der späten zwanziger Jahre, dann mit backsteinexpressionistischen Elementen oder in neusachlicher Formensprache. Als Entwurf von Robert Neuhaus ist das Haus darüber hinaus das Werk eines bedeutenden Architekten und deshalb ebenfalls von architekturgeschichtlichem Interesse. Wesentlicher Bestandteil seiner architekturhistorischen Qualität sind die erhaltene historische Raumaufteilung und -ausstattung sowie die stattliche Einfriedung zur Gerberstraße.

Pfarrhaus + Kaplaneien St. Notburga


 

1900 Gründung des Notburgavereins 1902 Bau des Notburgahauses (Entwurf: Josef Kleesattel)1909 Gründung eines Kirchenbauvereins 1914 Entwurf für neoromanischen Kirchneubau von Josef Kleesattel Der Krieg zwingt zur Aufgabe des Bauvorhabens 1923 Vernichtung der gesammelten Gelder durch Inflation Wiederbelebung des Kirchenbauvereins Einrichtung einer Notkirche im Notburgahaus (Vereinshaus für erwerbstätige Mädchen) 1927 kurzfristige Ausschreibung für den Neubau und Entscheidung der

Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde              Jury für die sachliche, moderne Baukonzeption von Sültenfuß und Seidel 29.06.1928 Grundsteinlegung 15.09.1929 Konsekration 1929 Seelsorgebezirk St. Notburga (bisher St. Remigius) wird selbständige Gemeinde 1930 Bau des Pfarrhauses und der ersten Kaplanei (Planung: Freihoff) 1930/31 Fertigstellung der Zugangswege zur Kirche 1947 Planung der zweiten, der ersten angepaßten Kaplanei (H. Mießen) 1948 Erhebung zur Pfarre 1952 Bau der zweiten Kaplanei (Entwurf von Mießen, Nachzeichnungen von P. Salm) 1955 Aufstellung der Notburgafigur 1960

Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde              Erneuerung des Kirchendaches (Architekt Limmers) und Erhöhung des Fassadengiebels 1964 Erneuerung und Umgestaltung des Kirchenraumes gemäß nachkonziliarer Entwicklung (H. Döhmen: Rabitz-Faltdecke, Chorrückwand) 1966 Gestaltung Kirchenvorplatz (H. Döhmen)

Beschreibung Pfarrhaus:

Das Pfarrhaus sollte ursprünglich durch einen Kreuzgang mit Spitzbögen mit der Kirche verbunden werden. Ausgeführt wurden nur zwei pergolaähnliche, überdachte Anbauten an Kirche und Pfarrhaus, die dem tiefer liegenden Pfarrhof den optischen Abschluss geben.Das Pfarrhaus zeichnet sich vor allem durch das seitlich vorgelagerte Treppenhaus aus, das mit den steilen Rundbogenfenstern die Formen der Kirche aufnimmt. Die übrigen Fenster sind rechteckig. Über der Eingangstür befindet sich ein Rundbogen mit einem Kreuz (Backsteinrelief), der einem Tympanon nachempfunden ist. Das Walmdach mit ausgeprägten Aufschieblingen scheint weit hinter der Fassade zurückzuliegen. Die Kirche St. Notburga bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und den Kaplaneien eine nahezu unveränderte in sich geschlossene, harmonische Einheit, die ein Zentrum innerhalb des in den zwanziger Jahren entstandenen Stadtteils Rahser darstellt.

Beschreibung Kaplaneien:

Das jüngere Gebäude (1952/53) liegt genau auf der Ecke Notburgastraße/Nelkenweg, das ältere davor mit der Hauptansichtsseite zur Kirche. Das beide Häuser überspannende Walmdach scheint ähnlich wie beim Pfarrhaus weit hinter der Fassade zurückzuliegen (Gesimsaufmauerung oberhalb der Trauflinie mit innenliegender Rinne). Zur Straße hin mehrere Fensterachsen, zur Kirche hin ein vorspringendes Treppenhaus mit angespitztem Giebel und einem steilen Rundbogenfenster (Zitat), außerdem ein gemauerter Bogen über der Tür wie beim Pfarrhaus. Die Gebäudeseiten zum Pfarrhof sind durch Treppenaufgänge und Dachterrassen aufgelockert. Die Kirche St. Notburga bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und den Kaplaneien eine nahezu unveränderte, in sich geschlossene, harmonische Einheit, die ein Zentrum innerhalb des in den zwanziger Jahren entstandenen Stadtteils Rahser darstellt.

Allgemeines:

Die Heilige St. Notburga war laut Legende ein Vorbild an Arbeitsamkeit, treuer, opferbereiter Nächstenliebe und Frömmigkeit. Sie lebte im 9. oder 10. Jahrhundert als Küchenmagd auf Schloss Rottenburg in Tirol und wurde wegen Mildtätigkeit entlassen. In Tirol gilt sie als Patronin der Dienstmägde und Bauern, die bei Geburtsnöten und Viehkrankheiten angerufen wird. Sie wird dargestellt mit Sichel, Krug und Brot. 1923 sprach der Kölner Kardinal Schulte den Wunsch aus, die zukünftige Kirche im Rahser möge Notburga geweiht werden, da es bis dahin noch kein Patrozinium im Erzbistum Köln gab, zu dem Viersen bis 1931 gehörte. Der neue Kirchenbaustil des 20. Jahrhunderts basierte auf zwei Grundlagen, zum einen auf dem sich wandelnden Selbstverständnis der Kirche (das seine Festlegung im II. Vatikanum erfuhr), zum anderen auf der an Klarheit, Funktion und Zweckmäßigkeit orientierten Architektur des Neuen Bauens, dessen Ziel Materialechtheit, klarer konstruktiver Aufbau und die Reduktion auf übersichtliche Bauteile waren. Neue Materialien (Eisen, Glas, Beton und Stahlbeton) wurden nur zögernd im Kirchenbau eingesetzt, da sie von vielen Theologen als "unwürdig" abgelehnt oder nur für die herkömmlichen Bauformen verwendet wurden. Zwischen den Weltkriegen dominierte die Gestaltung des Kirchenaußenbaus, denn noch war der siedlungsbeherrschende Aspekt wichtiger als die sinnbezogene Gestaltung des Innenraums. Die Außengestalt der Kirchen zeigte sich als relativ einheitlich: meist blockhaft geschlossene Baukörper mit klaren Umrisslinien, deren gliedernde Einzelformen nur sparsam verwendet wurden, wodurch eine Steigerung der Geschlossenheit erreicht wurde. Seit dem Ende der zwanziger Jahre erhielten die Kirchen meist Flachdächer, die Eingangsseite wurde als monumentale Schauseite gestaltet, was nach 1945 nicht mehr der Fall war. Die Fenster waren häufig schmal und steil proportioniert und traten auch im profanen Bereich auf (typisches Merkmal des Expressionismus in der Architektur der zwanziger und dreißiger Jahre). Am Niederrhein wurden fast ausnahmslos alle Kirchen im Außenbau aus Ziegeln aufgebaut, Eisenbeton wurde höchstens im Innern oder als Gliederungselement sichtbar gemacht. Die Backsteinwände waren entweder glatt oder mit reliefartigen Vor- und Rücksprüngen einzelner Steine und Schichten aufgelockert. Die Wiederbelebung des Backsteins wurde zu Beginn des Jahrhunderts gefördert durch die rheinische Heimatschutzbewegung und den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, da man die Widerstandsfähigkeit des Materials gegen Industrieabgase erkannte. Des Weiteren entsprach der Backstein der damaligen Tendenz zu Schlichtheit und strenger Monumentalität. Der Wunsch nach städtebaulicher Dominanz bewirkte nicht nur die Betonung des Außenbaus, sondern akzentuierte die Kirche zusätzlich durch hohe Türme (typisch war die Ein-Turm-Gestaltung), auch wenn die Notwendigkeit von Türmen bei den Theologen umstritten war.

ehem. Kath. Kinderbewahranstalt


Geschichte:

Mit Genehmigung des Bauantrags vom 16.05.1899 für den Neubau einer Kinderbewahranstalt wurde die Pfarre St. Remigius unter Oberpfarrer Ludwig Stroux und dem als Bauleiter zeichnendem J. Cuylen, das in der Straßenflucht der Petersstraße gelegene, zweigeschossige Gebäude errichtet. Es zeichnet sich durch seine besonders große Geschosshöhe aus und überragt daher die direkt angrenzende, ebenfalls zweigeschossige Nachbarbebauung. Die Ursache dafür ist in den Schulbauverordnungen der damaligen Zeit zu sehen, die außer Raumhöhe auch Belichtung und Beleuchtung der Klassenräume regelten. Von einer schulischen Einrichtung auf diesem Grundstück allerdings im rückwärtigen Bereich ist erstmals 1890 die Rede, als von Carl Schnitzler ein Antrag zur Errichtung einer katholischen Kinderbewahrschule gestellt wurde. Bebauungen anderer Nutzung sind aktenkundig nachweisbar bereits seit 1872:

  • 1872 Dampfkesselanlage, Bauherr: Carl Genenger
  • 1874 Straßenmauer, Bauherr: wie vor
  • 1888 Schreinerwerkstatt, Bauherr: Johann Rungkers


Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde

Die Kinderbewahrschule erfuhr, bedingt durch die gesellschaftliche Entwicklung, die unterschiedlichsten Funktionen. Im Erdgeschoss befand sich 1899 zunächst ein großer Schulraum mit dahinterliegendem Hofraum, im Obergeschoss der Sticksaal für den Paramentenverein und die Nähschule. Das Dachgeschoss wurde hauptsächlich als Speicher, teils als Wohnraum genutzt. 1901 richtete der Katholische Kaufmännische Verein zu Viersen eine Handelsschule ein. Der Unterricht fand abends und an den Wochenenden statt und vermittelte Spezialkenntnisse auf dem Gebiet des Kaufmannswesens. Im Jahr 1916/1917 wurde im sogenannten "Petershaus" von Oberpfarrer Michael Schüten ein Katholischer Krieger-Kinderhort für anfangs 20 30, später 50 70 Kinder untergebracht, deren Väter Kriegsdienst leisteten und deren Mütter erwerbstätig waren. Die Pfarrchronik berichtet von umfangreichen baulichen Änderungen. 1962 wurde die Wohnung im Dachgeschoss vergrößert. Umbaupläne aus dem Jahr 1937, wonach erhebliche Abbrucharbeiten im rückwärtigen Bereich und im Innern zur Errichtung von drei Wohnungen vorgenommen werden sollten, wurden nicht durchgeführt. Somit ist statt der geplanten dreigeschossigen Anlage mit wesentlich geringeren Geschoss- und Fensterhöhen die ursprünglich zweigeschossige Fassade erhalten geblieben.

Beschreibung:

Die vertikal vierachsig aufgebaute Fassade ist verputzt und asymmetrisch gegliedert durch die Betonung des Eingangsbereichs an der rechten Seite. Vom Sockel bis zur Traufe ist diese Achse ca. 30 cm auf der normalen Gebäudefront hervorgezogen, über dem Eingang befindet sich eine kielbogenartig übergiebelte Nische mit der Figur des Hl. Petrus. Die Kämpferpunkte des Bogens ruhen auf Konsolen. Hierdurch wird dem Eingang eine zusätzliche besondere Bedeutung zugemessen. Die geraden Fensterstürze des Erdgeschosses werden durch in Putz ausgeführte halbkreisförmige Bögen überwölbt, deren Inneres ornamental-plastisch ausgestaltet ist. Die Fensterstürze des Obergeschosses sind durch friesartige, geschwungene Aussparungen in Putz geschmückt. In der Horizontalen wird die Fassade durch ein Sockelgesims, durch Fensterbankgesimse, durch ein in Traufhöhe der Nachbargebäude verlaufendes Gesims und durch ein ca. 10 cm weit ausladendes Attika-Gesims gegliedert. Das zur Straßenseite abgewalmte ca. 40° steile Satteldach wird somit von der Straßenseite aus kaum wahrgenommen. Das Innere des Gebäudes wird hauptsächlich gekennzeichnet durch die Größe seiner Räume (Abmessungen ca. 6,30 bzw. 8,80 x 13,50 und 11,50 x 6,90 m bei einer lichten Raumhöhe von ca. 4 m bzw. 5 m). Die geradläufige Treppenanlage ist noch in ursprünglichem Zustand erhalten. Die Holzbalkendecken sind erneuerungsbedürftig. Mit dem Gebäude Petersstraße 7a ist der Stadt Viersen ein Gebäude erhalten geblieben, das außer seiner gründerzeitüblichen dekorativen Fassadengestaltung auch durch die unveränderte Erhaltung der gattungstypischen Grundrisskonzeption besticht.

ehem. Josefskloster


Geschichte:

Die katholische Pfarrgemeinde St. Joseph wird 1891 von der Mutterpfarre St. Remigius abgetrennt und als eigenständiges Rektorat, ab 1895 Pfarre im Süden Viersens eingerichtet. 1891 wird auch die Kirche fertig gestellt. Gemäß den spezifischen Bedürfnissen der Zeit und des stark industrialisierten Bereiches der Stadt betreibt die Pfarre von Anfang an eine erhebliche sozial-karitative Arbeit. So wird 1893 im hierzu erbauten Josefshaus eine Kinderbewahranstalt gegründet (1913 und 1916 folgen zwei weitere) und 1910 ein Pfarrkloster mit noch darüber hinaus gehender Bestimmung bezogen. Die Einrichtung dieses Josefsklosters wird vom damaligen Pfarrer Dr. Carl Heggen betrieben. Dem Baubeginn 1908 voraus gehen mindestens zweijährige Verhandlungen mit Aufsichtsorganen und der Kommune über Finanzierung und Aufgaben, die sich in großen Zügen anhand der erhaltenen Unterlagen im Pfarrarchiv rekonstruieren lassen. Am 20.08.1906 bekundet das Kloster zum Hl. Joseph in Neuss, eine Genossenschaft der barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Augustinus, seine grundsätzliche Bereitschaft, eine neue Niederlassung in der St. Josefspfarre anzunehmen, der, laut der entsprechenden Erlaubnis des Erzbistums vom Februar 1907, ambulante Krankenpflege und die Leitung einer bereits bestehenden und einer noch zu gründenden Kinderbewahrschule, einer Hausarbeits- und Haushaltungsschule sowie eines Arbeiterinnenheimes obliegen sollen. Die zweite Jahreshälfte 1907 wird dann mit der notwendigen Genehmigung durch die zivilstaatlichen Behörden verbracht, die wiederholt detailliertere Aufgabenbeschreibungen anfordern und insbesondere einen Nachweis verlangen, dass das neue Haus ohne Verwendung von Geldern der Kirchengemeinde errichtet wird, so wie es ein entsprechender ministerieller Erlass vorsieht. Die Kirchengemeinde muss demnach darlegen, dass nicht sie, sondern Pfarrer Dr. Heggen als Bauherr auftritt, für die Überlassung des kircheneigenen Grundstücks eine Entschädigung vorgenommen wird und dass das Geld für Bau und Unterhalt aus einer privaten Stiftung stammt, nämlich der Brüder Wilhelm und Peter Berrischen. Zu Wilhelm Berrischen (1844 12.02.1924) vermerkt das Pfarrarchiv, dass er seit Gründung der Josephspfarre ein sehr reger Beförderer aller Angelegenheiten der Pfarre und der Kirche (war). 25 Jahre war er Kirchenrendant mit kluger und vorbildlicher Geschäftsführung, eine Aufgabe, die bei der Armut der Pfarrkirche groß war. Er verweigerte jede Vergütung für sein Rendantenamt. Er stiftete mit seinem Bruder Peter das St. Josephskloster und brachte viel Geldopfer für die Kirche. Seit Gründung der Pfarre bis zu seinem Tode war er Mitglied des Kirchenvorstandes. Er war ein lieber Freund der Pfarrei. Das Adressbuch der Stadt Viersen von 1906/07 führt ihn als Kommis (d.h. kaufmännischer Angestellter) unter der Adresse Am Kloster 13. Im Adressbuch 1911 werden unter dieser Adresse außer ihm drei Frauen aufgelistet, von denen eine, Elisabeth Fleuth, die Sterbeanzeige 1924 aufgibt und ihn dort als ihren Pflegevater bezeichnet. Zudem ist er Ehrenmitglied des Katholischen Kaufmännischen Vereins e.V. Viersen. Wilhelms älterer Bruder Peter Berrischen stirbt am 19.10.1908 im Alter von 72 Jahren . 1906/07 führt er die selbe Adresse wie sein Bruder und als Berufsbezeichnung Agent (Vertreter). Am 8. Juni 1908 genehmigt das preußische Ministerium für geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten die neue Niederlassung, und zwar zum Zwecke der Uebernahme der Pflege und Unterweisung von Kindern katholischer Konfession, welche sich noch nicht im schulpflichtigen Alter befinden, in zwei Kleinkinder-Bewahranstalten, ferner der Leitung und Unterweisung in einer Haushaltungsschule und in einer Handarbeitsschule für katholische Mädchen in nicht mehr schulpflichtigem Alter, sowie der Pflege und Leitung in einem Heim für Arbeiterinnen katholischer Konfession. ( ) Wir setzen dabei voraus, dass die im St. Josefshaus vorhandene Kleinkinder-Bewahranstalt und Handarbeitsschule künftighin nicht mehr von der ersten Niederlassung der genannten Genossenschaft in Viersen, sondern von der neuen Niederlassung geleitet werden. [Randvermerk v. Pfarrer Heggen: Die Bewahrschule an der Josefstraße wurde von der Remigiuspfarre übernommen ] In die Niederlassung dürfen nur Ordensangehörige, welche die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen und deren Zahl hiermit auf fünf festgesetzt wird, aufgenommen werden. Die Höchstzahl der Mitglieder wird auf fünf festgesetzt. ( ) Die Genehmigung zur Ausübung ambulanter Krankenpflege kann nicht erteilt werden, da ein Bedürfnis hierfür mit Rücksicht auf die bereits vorhandenen Niederlassungen zu ambulanter Krankenpflege nicht anzuerkennen ist. Doch auch die ambulante Krankenpflege, ein Hauptbeweggrund für die neue Niederlassung, wird schließlich doch genehmigt. Die Kirche muss aber versichern, in dem Haus Kranke nicht dauerhaft aufzunehmen. Am 21. Juni 1910 beziehen die Barmherzigen Schwestern aus Neuss das für 22.750 Mark neu errichtete Josefskloster. Zur älteren von ihnen betreuten Kinderbewahrschule treten 1913 und 1916/17 zwei weitere am Klosterweiher und an der Alten Bruchstraße. Bei Kriegsende 1918 verzeichnet die Pfarrchronik eine finanzielle Notlage des Klosters und seiner drei Kindergärten, die weder Rücklagen besaßen noch Zuschüsse von der Zivilverwaltung erhielten (Chronik 1991, Seite 24). Ein wichtiger Einschnitt im Gemeindeleben erfolgt 1940, als zum 15. August die Schwestern der Augustinerinnen das Josefskloster verlassen. An ihre Stelle treten Marienschwestern aus Schönstatt (Chronik 1991, Seite 33). Weitere 36 Jahre betreiben sie im Gebäude an der Gereonstraße ein Altenheim und halten dort Einkehr- und Gemeinschaftstage ab. Außerdem bilden sie die Zentrale der ambulanten Krankenpflege, der Jugendpflege, der Kindergärten, der Pflege der Kirchenleinwand, der Armenpflege, der Pflege von etwa zehn alten Leuten (Dickmann 1967, Seite 33f). Diese Geschichte endet am 31. Mai 1986: Das Josephskloster an der Gereonstraße wird verkauft. Unsere Schönstatter Marienschwestern sind in das renovierte Haus Josefstraße 11 umgezogen. Seit 1940 betreuten sie u.a. im Josephskloster im Durchschnitt ca. zehn alte und vor allem kranke Personen. Mit dem Umzug wird dieses Altenheim aufgelöst. (Chronik 1991, S.75f).

Beschreibung:

Das traufständige Backsteingebäude erhebt sich mit drei Geschossen über annähernd quadratischem Grundriss (ca. 14 x 12 m) leicht zurückgesetzt von der Gereonstraße. Seine symmetrische Fassade mit Mittelbetonung durch einen übergiebelten Eingangsrisalit ist fünf Achsen breit. Ein Satteldach schließt den Baukörper nach oben ab. Ecklisenen, Gesimse, Trauffries und Mittelrisalit unterteilen die mit neugotischen Zierformen ausgestaltete Fassade in einzelne Felder, wobei nicht zuletzt durch den dominanten überhöhten Mittelrisalit eine vertikale Ausrichtung überwiegt. Die segmentbogigen Stürze der hochrechteckigen Fenster werden im Erdgeschoss von Spitzbogenblenden überfangen. Auch der über Stufen erhöhte Mitteleingang ist unter einem Spitzbogen eingenischt. Während Erd- und erstes Obergeschoss von einem durchgehenden Sohlbankgesims getrennt werden, laufen zwischen den beiden Obergeschossen die vertikalen Lisenen durch, so hier nur kurze Gesimsstücke verbleiben. Der Mittelrisalit endet in einem hohen, fünffach gestuften Treppengiebel. Seine flachen Ecklisenen bilden darunter einen Spitzbogen aus, der ein ebenfalls spitzbogiges Dreipassfenster überfängt. Seitlich des Risalits akzentuiert ein Spitzbogenfries mit kleinen Werksteinteilen als Keilstein und Konsölchen die Traufe. Die beiden Giebelseiten besitzen in der Mittelachse jeweils vier übereinander angeordnete Fenster, das oberste belichtet das Dachgeschoss. Die im Wesentlichen schmucklose Gebäuderückseite ist verputzt und besitzt ebenfalls einen Mittelrisalit. Die durch ihn betonte Symmetrie ist seit 1965 durch einen einseitig angebrachten Anbau mit querrechteckigem Fenster (Architekt Bolten, Viersen) gestört. Ein gleichartiger, jedoch beiderseits und damit symmetrischer Ausbau mit hochrechteckigen Fenstern und Terrasse für das Obergeschoss wird bereits einmal 1945 von Stadtbaurat a..D. Frielingsdorf geplant, aber nicht verwirklicht. Das Gebäude besitzt stilgerechte zweiflügelige sprossengeteilte Holzfenster. Die augenscheinlich ursprüngliche zweiflügelige Eingangstür ist aus Eiche. Die erhaltenen Baupläne von 1908 zeigen in allen Geschossen einen regelmäßigen kreuzförmigen Grundriss aus breitem Mittelflur, vier größeren Zimmern in den Ecken und kleineren Räumen seitlich an den Giebeln zwischen den großen Eckzimmern. 1965 sind im Erdgeschoss Funktionsräume wie Sprechzimmer, Tagesraum, Küche, Spüle und Personalraum, und im Obergeschoss die Zimmer von Schwestern und Gepflegten untergebracht. Erschlossen wird das vollunterkellerte Gebäude von einer gerade zweiläufigen Treppe an der Rückseite. Erwähnenswert sind ornamentale Gussheizkörper. Zur Gereonstraße besitzt das Kloster noch die originale Einfriedungsmauer aus Backstein; Gitter und Tor sind allerdings erneuert. Der Planverfasser des Josefsklosters, Martin Küppers, ist mit seinem Baugeschäft bereits in den 1890er Jahren bei mehreren heute denkmalgeschützten Gebäuden in Viersen als Bauunternehmer überliefert (Bahnhofstraße 34, Königsallee 24, Noppdorf 15 Gaststätte Zum Hohenbusch). 1920/21 besitzt er zudem eine Ziegelei An der Eisernen Hand, mit eigenem Gleisanschluss an die Industriebahn eine für Bauunternehmer im späten 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts nicht unübliche und zweckmäßige Kombination.Es handelt sich bei dem Josefskloster mit seinen ursprünglich fünf Schwestern um eine kleine Niederlassung, die nur eingeschränkt mit umfangreicheren Anlagen verglichen werden kann. Der klösterliche Gemeinschaftsgedanke kommt hier vor allem in der überaus regelmäßigen und gleichartigen Grundrissaufteilung zum Ausdruck, die sich z.B. von den unterschiedlichen Funktionalitäten und Raumgrößen eines üblichen Wohnhauses deutlich unterscheidet. Bautypspezifisch ist auch die Fassadengestaltung als Backsteinrohbau mit neugotischen Zierformen, die stilgeschichtlich zur Bauzeit um 1910 nicht mehr üblich ist. Bei kirchlichen Bauaufgaben aber gilt die Kölner Schule , d.h. die ausdrücklich als christlicher Baustil bezeichnete Gotik bzw. Neugotik, bis zum Ersten Weltkrieg im Rheinland als der angemessene Stil. Dabei handelt es sich um eine für Klöster durchaus neubautenreiche Zeit, sei es wegen des Wiederaufbaus des Klosterwesens nach dem Kulturkampf oder wegen des in der industriellen Revolution erhöhten gesellschaftlichen Bedarfs an Einrichtungen für soziale und karitative Aufgaben, die der sich gerade erst entwickelnde Sozialstaat nicht selbst zu erfüllen vermag. Die Barmherzigen Schwestern des Josefsklosters in Viersen repräsentieren einen dieser Krankenpflegeorden, die anders als die großen kontemplativen Ordensgemeinschaften auch nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert relativ kontinuierlich sich entwickeln können. Das Gebäude des ehemaligen Josefsklosters, Gereonstraße 43, ist über fast siebzig Jahre ein Mittelpunkt kirchlicher Sozialarbeit. Der substanziell im Wesentlichen unverändert erhaltene Bau verweist dabei in eine Zeit, als die Stadt Viersen gerade hier im südlichen Stadtbereich ein starkes industrielles Wachstum besitzt, in deren Folge offenbar auch ein Bedarf für soziale Einrichtungen wie diese bestand. Neben Kranken- und Altenpflege, für die die Zivilbehörden ja im Genehmigungsverfahren genügend eigene Versorgungseinrichtungen geltend gemacht haben, sollen dabei auch die Fürsorge für Arbeiterinnen, Kinder und bedürftige Mädchen ein Aufgabengebiet des Klosters sein. Zusammen mit den benachbarten Bauten an der Josefstraße (Pfarrhaus, Kaplaneien) und natürlich der Josefskirche selbst bildet es ein markantes Zentrum von noch aus der Gründungszeit der Pfarre stammenden Häusern aus. Das Gebäude des ehemaligen Josefsklosters ist daher bedeutend für Viersen.

Pfarrhaus St. Helena


Geschichte:

Pfarrer Anton Kimmel stirbt am 16.07.1805. Er vermacht in seinem Testament der Kirche St. Helena 3000 Reichstaler. Diese Schenkung wird nach dem Tode von Pfarrer Anton Kimmel von seiner Mutter angefochten. Diese Anfechtung dauert über 1 1/2 Jahrzehnte. Danach erhält die Kirchenkasse St. Helena zur Ableistung der Auflagen des Testamentes eine jährliche Rente von 48 Reichstalern, die aber von den Erben Kimmel jederzeit mit einer Summe von 1100 Reichstalern abgelöst werden kann. Am 25.08.1805 versammelt der neue Helenabrunner Pfarrer Michael Giesen in einer Zusammenkunft die Kirchmeister und Pfarrmitglieder von St. Helena, um mit ihnen über den Neubau einer Pfarrerwohnung, zu dem sie sich bei der Gründung der Pfarre dem Generalvikar Syben von Roermond verpflichtet haben, zu beraten. 40 Helenabrunner Familien leihen je 25 Taler als Anfang der Bausumme, so dass die Errichtung mit 1000 Talern Baukapital beginnen kann. Um den Bau des Pfarrhauses besser herstellen zu können, tritt Johannes Weilers aus Heimer 28 Ruten seines anstoßenden Ackers für einen Reichstaler die Rute im März 1806 in Gegenwart der Kirchmeister des Baumeisters Andreas Büssen an die Kirche ab. Pfarrer Michael Giesen bezieht das Pfarrhaus 1807.

Beschreibung:

Bei dem zweigeschossigen Gebäude in fünf Achsen handelt es sich um eine für die Entstehungszeit typische zentrale Bauform. Die spätklassizistische Putzfassade ist dem 1807 entstandenen Gebäude vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts vorgeblendet. Die Mittelachse des Hauses wird durch einen flachen Dreiecksgiebel betont. Das Haus ist mit einem Krüppelwalmdach bedeckt. Der ursprüngliche Dachstuhl mit Eichenbalken und Zapfenverbindungen ist erhalten geblieben. Der Keller ist mit Gewölben überspannt. Im Innern des Hauses ist in der Diele ein Terrazzoboden mit floralem Mosaik vorhanden. Ebenso ist die alte Holztreppe und umlaufende Friese an den Decken des Flures im originalen Zustand. Des Weiteren sind in verschiedenen Räumen die Stuckdecken vorhanden.

1909 wird im Zusammenhang mit einer Umbaumaßnahme am Pfarrhaus ein Nebentrakt angebaut. Er ist eingeschossig und ebenfalls achsialsymmetrisch mit einem Krüppelwalmdach versehen. Hier ist die backsteinsichtige Fassade geschlämmt. Im Eingangshäuschen wird die Türe, vermutlich durch die Verbreiterung der Straße bedingt, aus der Mitte des Häuschens in die Seitenwand versetzt. Im Vorgarten unmittelbar an der Straße befindet sich der St. Helena-Brunnen.

Das Pfarrhaus im Schatten der Pfarrkirche St. Helena bildet ein wesentliches Identifikationsmerkmal zur Geschichte der Pfarre St. Helena.

ehem. Kaplanei Pfarre St. Joseph


Ende des 19. Jahrhunderts machte das starke Bevölkerungswachstum im südlichen, zunehmend industriell geprägten Stadtbereich von Viersen die Einrichtung einer neuen Pfarre erforderlich. Ab 1879 wurde von der Pfarrei St. Remigius eine Neugründung betrieben, die bis dahin (neben Helenabrunn) die einzige Pfarrei in Viersen war und inzwischen mehr als 17.000 Einwohner zu betreuen hatte. 1882 wurde ein Bauverein gegründet und schließlich 1889-1891 die Kirche St. Josef als ein neuer Mittelpunkt des Ortsteiles Rintgen errichtet. Im Jahr der Fertigstellung der Kirche erfolgte dann auch die Erhebung des Bezirkes zum Rektorat und schließlich 1895 zur Pfarrei.

Außer der Kirche benötigte der neue Seelsorgebezirk, der sich in starkem Maße sozial-karikativen Aufgaben widmete, weitere bauliche Einrichtungen. So entstanden u.a. 1893, 1913 und 1916 drei Kleinkinder-Bewahrschulen, 1892/93 an der neuen, unmittelbar südlich an der Kirche vorbeiführenden Josefstraße das Pfarrhaus (Josefstraße 9) und zunächst zwei Kaplaneien (Josefstraße 5/7). 1900 folgte eine weitere Kaplanei (Josefstraße 3), 1910 konnte an der benachbarten Gereonstraße das Josefskloster bezogen werden. Beschreibung Das 1900 errichtete

Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde
Kaplaneigebäude Josefstraße 3 hebt sich mit seiner gelben, hart gebrannten Klinkerverkleidung (über dunklerem Sockel) einerseits deutlich von dem erdfarbenen Nachbargebäude des Jahres 1892 ab. Andererseits übernimmt es Trauf-, Gesims- und Geschosshöhen des Doppelhauses Josefstraße 5/7, wodurch eine dennoch harmonische, breit gelagerte Front entsteht. Planleger war in beiden Fällen der Bauunternehmer Martin Küppers. Das Haus erhebt sich traufständig zweigeschossig auf annähernd quadratischem Grundriss. Rechts ist es direkt an das Nachbargebäude angebaut, die linke Seite steht als fensterloser Brandgiebel frei. Nach vorne sind die beiden linken der insgesamt vier regelmäßigen Fensterachsen als Risalit leicht vorgezogen und werden von einem Staffelgiebel-Zwerchhaus bekrönt. In der rechten Achse ist der über Stufen eingenischte Hauseingang angeordnet. Während die Fenster im Erdgeschoss einfach segmentbogig in die Wand eingeschnitten sind, werden jene des Obergeschosses von Spitzbogenblenden gerahmt und überfangen, in deren Spitze kleine Kreuze eingebracht sind. Blenden und Fenster sitzen auf einem Sohlbankgesims auf. Die Fenster selbst besitzen die für die Erbauungszeit typische T-Teilung. Den Zwerchhausgiebel gliedert ein Paar kleiner Spitzbogenfenster und darüber ein kleines Kreismotiv. Hier wie auch im Obergeschoss fällt auf, dass der Bauantragsentwurf in der Ausführung abgeändert wurde, sah dieser doch einen Dreiecksgiebel mit steigendem Spitzbogenfries sowie einem großen Rundfenster vor, entsprechend dem Giebel an Josefstraße 5/7. Auch sollte der Trauffries des Nachbarhauses fortgeführt werden, was zugunsten der Blendgliederung ebenfalls unterblieb. Durch die originale Eingangstür betritt man innen zunächst einen Seitenflur, der übereck zu dem mittig an der hinteren Seite angeordneten Treppenhaus führt. Schmuckfliesenboden und die originale Holztreppe, gerade zweiläufig mit Wendepodest sind erhalten, letztere mit kandelaberförmigem Anfänger und gedrechselten Geländerstäben. Unter der Treppe führt eine Tür in den Garten. Die backsteinsichtige Rückseite des Hauses ist abgesehen von der relativ symmetrischen Fensteranordnung schmucklos gestaltet. Die heute in dem Haus untergebrachte, 1900 gegründete Bücherei des Borromäusvereins ist die einzige kirchliche Öffentliche Bibliothek in Alt-Viersen. Der Planverfasser, Martin Küppers, war mit seinem Baugeschäft um 1900 ein viel beschäftigter Bauunternehmer in Viersen. Für die Pfarrei St. Josef errichtete er außer den Bauten an der Josefstraße auch das Josefskloster an der Gereonstraße. 1920/21 besitzt er zudem eine Ziegelei An der Eisernen Hand, mit eigenem Gleisanschluss an die Industriebahn eine für Bauunternehmer im späten 19./Anfang des 20. Jahrhunderts nicht unübliche und zweckmäßige Kombination. Das Gelände für Kirche und Pfarrhaus/Kaplaneien stammte wohl aus dem Besitz des Unternehmers Friedrich Wilhelm Greef, dessen mechanische Weberei an der benachbarten Straße (heute: An der Josefskirche) lag. Die Josefstraße wurde erst mit der Errichtung von Pfarrhaus und Kaplaneien zu einer öffentlichen Straße ausgebaut. So verzögerte sich auch die Erteilung der Baugenehmigung für die Häuser um einige Tage, da die Stadt zunächst die Fertigstellung der Straße verlangte. Die katholische Kirchengemeinde musste versichern, dass eine Fertigstellung zwar nicht vor Inangriffnahme, aber vor dem Abschluss der Neubauten gewährleistet sei. Hierfür garantierte sie selbst sowie die mit ihren Grundstücken anliegenden Unternehmer Greef und Weyers. Als baulich weitgehend unversehrt erhaltene Kaplanei der für die südliche Innenstadt zuständigen Pfarrei St. Josef ist das Gebäude Josefstraße 3 bedeutend für Viersen. Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes zeugt es anschaulich von der typischen Bauweise eines kirchlichen Zweckgebäudes um 1900, nämlich einer einfachen Backsteinarchitektur mit einigen religiösen bzw. neugotischen Motiven. Zusammen mit seinen Nachbargebäuden bis hin zum ehemaligen Josefskloster an der Gereonstraße bildet es südlich der Josefskirche gleichsam einen eigenen baulichen Bereich aus. Die Josefstraße wird von dieser Gebäudegruppe geprägt.

ehem. Pfarrhaus St. Joseph


Ende des 19. Jahrhunderts machte das starke Bevölkerungswachstum im südlichen, zunehmend industriell geprägten Stadtbereich von Viersen die Einrichtung einer neuen Pfarre erforderlich. Ab 1879 wurde von der Pfarrei St. Remigius eine Neugründung betrieben, die bis dahin (neben Helenabrunn) die einzige Pfarrei in Viersen war und inzwischen mehr als 17.000 Einwohner zu betreuen hatte. 1882 wurde ein Bauverein gegründet und schließlich 1889-1891 die Kirche St. Josef als ein neuer Mittelpunkt des Ortsteiles Rintgen errichtet. Im Jahr der Fertigstellung der Kirche

Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde
erfolgte dann auch die Erhebung des Bezirkes zum Rektorat und schließlich 1895 zur Pfarrei.

Außer der Kirche benötigte der neue Seelsorgebezirk, der sich in starkem Maße sozial-karikativen Aufgaben widmete, weitere bauliche Einrichtungen. So entstanden u.a. 1893, 1913 und 1916 drei Kleinkinder-Bewahrschulen, 1892/93 an der neuen, unmittelbar südlich an der Kirche vorbei führenden Josefstraße das Pfarrhaus (Josefstraße 9) und zunächst zwei Kaplaneien (Josefstraße 5/7), 1900 eine weitere Kaplanei (Josefstraße 3) sowie 1910 an der benachbarten Gereonstraße das Josefskloster. Beschreibung Das Gebäude Josefstraße 9 wurde 1892 von der Pfarrei St. Remigius als Pfarrhaus für den neu gegründeten Pfarrbezirk St. Josef erbaut, zusammen mit den benachbarten Kaplaneien. Planverfasser war der Bauunternehmer Martin Küppers. Das zweigeschossige Backsteingebäude mit Walmdach folgt in seiner Stellung dem gekurvten Verlauf der Josefstraße und ist dem entsprechend gegenüber den Kaplaneien Josefstraße 3-7 leicht schräg gestellt. Links steht der Bau frei, rechts schließt unmittelbar die Nachbarbebauung an. Der Hauptbaukörper ist in der Grundfläche annähernd quadratisch (ca. 11,00 x 12,00 m); an der linken Seite ist ein kleinerer, ebenfalls fast quadratischer und Baukörper nach hinten versetzt angebaut, so dass für den hier seitlich angeordneten Hauseingang ein kleiner Hof ausgebildet wird, der nach vorne durch ein kniehohes Mäuerchen abgeschlossen wird. Das Mauerwerk besitzt noch die originalen kleinen Fugen-Wulstprofile. Die Fassade ist horizontal betont durch ein Sohlbank-/Brüstungsgesims zwischen den beiden Geschossen und einen Spitzbogenfries unterhalb der profilbetonten Traufkante. An den Gebäudekanten sitzt der Fries auf flachen Ecklisenen auf, dazwischen auf kleinen und drei größeren Backstein-Konsölchen. Die Fensteröffnungen sind segmentbogig und besitzen die zeittypische T-Teilung. An der Straße bilden sie vier regelmäßige Achsen sowie je eine weitere seitlich und zurückgesetzten Teil, wobei bei diesem im Obergeschoss eine Josefsfigur das Fenster ersetzt. Diese steht auf einer kelchblattkapitellförmigen Konsole in einer Spitzbogennische, deren profiliertes Gewände mit reliefierten Krabben besetzt und von einer ebenfalls reliefierten Kreuzblume bekrönt ist. Der Hauseingang liegt erhöht über einer kleinen, geraden Freitreppe. Das Innere wurde teilweise modernisiert, jedoch sind wesentliche Grundriss- und Ausstattungsmerkmale wie das originale Treppenhaus, Ornamentfliesen im Flur, als Klötzchenfries stuckierte Kehlprofile an einer Decke im Erdgeschoss sowie Rahmenfüllungstüren mit den zugehörigen Laibungen im Obergeschoss erhalten. Die hölzerne Treppe, seitlich links neben dem Eingang im nach hinten verschobenen Bauteil, zeigt die zeittypische gerade zweiläufige Form, mit Wendepodest, kandelaberförmig gestaltetem Anfänger und gedrechselten Geländerstäben. Die ohnehin ursprünglich schmucklose Gartenseite ist durch Flickungen, materialfremde Reparaturen und einen kleinen Anbau von 1939 gestört, was jedoch für den gut erhaltenen Gesamtcharakter des Hauses ohne nennenswertes Gewicht ist. Der Planverfasser, Martin Küppers, war mit seinem Baugeschäft um 1900 ein viel beschäftigter Bauunternehmer in Viersen. Für die Pfarrei St. Josef errichtete er außer den Bauten an der Josefstraße auch das Josefskloster an der Gereonstraße. 1920/21 besitzt er zudem eine Ziegelei An der Eisernen Hand, mit eigenem Gleisanschluss an die Industriebahn eine für Bauunternehmer im späten 19./Anfang des 20. Jahrhunderts nicht unübliche und zweckmäßige Kombination. Das Gelände für Kirche und Pfarrhaus / Kaplaneien stammte wohl aus dem Besitz des Unternehmers Friedrich Wilhelm Greef, dessen mechanische Weberei an der benachbarten Straße (heute: An der Josefskirche) lag. Die Josefstraße wurde erst mit der Errichtung von Pfarrhaus und Kaplaneien zu einer öffentlichen Straße ausgebaut. So verzögerte sich auch die Erteilung der Baugenehmigung für die Häuser um einige Tage, da die Stadt zunächst die Fertigstellung der Straße verlangte. Die katholische Kirchengemeinde musste versichern, dass eine Fertigstellung zwar nicht vor Inangriffnahme, aber vor dem Abschluss der Neubauten gewährleistet sei. Hierfür garantierte sie selbst sowie die mit ihren Grundstücken anliegenden Unternehmer Greef und Weyers. Als baulich weitgehend unversehrt erhaltenes Pfarrhaus der für die südliche Innenstadt zuständigen Pfarrei St. Josef ist das Gebäude Josefstraße 9 bedeutend für Viersen. Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes zeugt es anschaulich von der typischen Bauweise eines kirchlichen Zweckgebäudes um 1900, nämlich einer einfachen Backsteinarchitektur mit einigen religiösen bzw. neugotischen Motiven. Gleichzeitig hebt es sich durch seine etwas aufwändigere Gestalt (Walmdach, Eingangshöfchen, Josefsfigur an der Fassade) deutlich von den funktional untergeordneten Kaplaneien ab. Zusammen mit seinen Nachbargebäuden bis hin zum ehemaligen Josefskloster an der Gereonstraße bildet es südlich der Josefskirche gleichsam einen eigenen baulichen Bereich aus. Die Josefstraße wird von dieser Gebäudegruppe geprägt.

ehem. Rektoratschule


Als städtebauliches Pendant gegenüber der restaurierten Fassade der Generatorenhalle gelegen und der Straße bis heute den Namen gebend, steht die alte Rektoratschule.

Sie wurde 1855 mit einem Kostenaufwand von damals 8.000 Talern aus dem Kapitalvermögen von St. Remigius errichtet, nachdem ihre Vorgängerschulen räumlich unzureichend geworden waren. Damals gaben an ihr vier Lehrkräfte den ca. 50-60 Schülern Unterricht. Der Backsteinbau in 7 zu 3 Achsen im Rundbogenstil besitzt ein Satteldach und steht
Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde
giebelseitig zur Straße. Das ursprünglich 2-geschossige Gebäude wurde nachträglich zu 3 Geschossen verändert. Dabei wurden auch die vermutlich ehemaligen Rundfenster wie sie am straßenseitigen Trakt vor seinem Abriss noch bestanden zu quadratischen Fenstern erweitert. Ebenso wurden die Segmentbogen der backsteingemauerten Rundfenster im ersten Stock zugemauert. Auch alle Fenster des rückwärtigen Giebels sowie zwei der Fenster im Erdgeschoss und das kleine Rundfenster im Frontgiebel sind heute vermauert. Das Maßwerk der Fenster, teils noch nach dem Brand von 1945 im Erdgeschoss vorhanden, sind heute nicht mehr erhalten. Die oberen drei eng beieinandersitzenden Bogenfenster der mittlere davon höher des Frontgiebels sind beim Umbau 1950/51 zu drei gleichförmigen, quadratischen Fenstern verändert worden. Damals wurde auch in die Längsseite anstelle des fünften Fensters im Erdgeschoss ein zurückgesetzter Eingang gebrochen. Das Haus steht auf verputztem Sockel und besitzt Ecklisenen, die abgetreppt über die Traufe ragen und die vor 1951 noch von kleinengemauerten Türmchen gekrönt waren. Ein breiter, mit backsteingemauertem Blendbogenfries geschmückter Ortgang ziert beide Giebel, wobei der Frontgiebel durch einen zusätzlichen Aufbau in seiner Mitte betont wird. Er umschließt ein heute zugemauertes Rundfenster und seine Lisenen enden abgetreppt in Höhe des Ortgangs. Erfolgt die vertikale Gliederung des Gebäudes durch klar durchgezogene Fensterachsen, so geben die durchgehenden Werksteinsohlbänke der Fenster im Obergeschoss sowie der darunter umlaufende backsteingemauerte Spitzbogenfries dem Gebäude die horizontale Gliederung. Die Fugen des Mauerwerks sind nachgezogen. Das Innere bietet ein Bild absichtlicher Verwüstung. Originale Innenausstattung ist nicht mehr vorhanden. Die Teilunterkellerung befindet sich unter dem rückwärtigen Gebäudeteil. Das Gebäude der ehemaligen Rektoratschule ist trotz einiger Veränderungen die z. T. reversibel sind ein qualitätsvolles Beispiel der Architektur seiner Zeit und repräsentiert darüber hinaus den Typ eines großen Schulgebäudes, wie er so früh selten ist. Als wichtiges Zeugnis der Kultur hier Schulgeschichte muss das Gebäude für die Lokalgeschichte Viersens hervorgehoben werden.

ehem. Kinderkrankenhaus St. Nicolaus

Altes Kinderkrankenhaus
Das zweigeschossige Backsteingebäude mit steilen Satteldächern präsentiert sich in einheitlicher Formensprache, jedoch sind bei näherer Betrachtung farbige und formale Absetzungen im Mauerwerk erkennbar, die auf mehrere Bauphasen hinweisen. Zur Strasse hin ist die durch einen hohen Giebel aufgelockerte Traufenständigkeit des linken Hauptgebäudes, das Zurücktreten des mittleren Flügels hinter einer Terrasse und die Schrägstellung des rechten, wieder an die Strasse vorgezogenen Foto: Wikipedia - Beschreibung der Denkmalbehörde              kleinen Gebäudeteils baukörperprägend.
Ursprünglich (1912) ist das linke Hauptgebäude, jedoch nur die drei Achsen des Giebels und die links anschließende Eingangsachse. Die Giebelfassade wird geprägt durch schlanke, hochrechteckige, sprossengegliederte Kreuzstockfenster, die im Obergeschoss durch Natursteinbrüstungsfelder betont werden. Die kleinen Fenster im Giebel weisen keinen Kreuzstock auf. Der Eingang, flankiert von zwei kleinen Fensterchen, ist tief eingenischt, darüber wird er durch ein getrepptes Werksteinrelief und vegetabile Schmuckformen hervorgehoben. Ein Werksteingesims trennt Erd- und Obergeschoss. Der linke, dreiachsige Anbau (1927/28) übernimmt im Obergeschoss bezüglich Fensterformat und Brüstungsfelder die Formen des Ursprungsbaus; im Erdgeschoss zeigen sich dagegen breite Schiebefenster mit nach oben zu schiebenden Scheiben unten. Unter diesen tritt im Gegensatz zum ursprünglichen Bau ein Sockelgeschoss mittels relativ großer Fensteröffnungen zur Belichtung der Küche zutage Das ausgebaute Dachgeschoss wird nach vorne lediglich durch drei kleine, übergiebelte Dachgauben erkennbar, während es auf der Rückseite in der Ansicht ein zweites Vollgeschoss ausbildet. Das steile Satteldach ist mit dunklen (grau-anthrazit) Ziegeln gedeckt. Die rechts des Ursprungsgiebels anstelle eines Eingangs entstandene Fensterachse (1937) weist das gleiche Fensterformat auf. Es fehlen jedoch im Obergeschoss die Werkstein-Brüstungsfelder. Im Erdgeschoss des seitlichen Giebels befindet sich ein dreiteiliges rundbogiges Fenster, das möglicherweise aus dem anschließenden zurückliegenden Flügel stammt und hier wiederverwertet ist. Die heute zur Terrasse sichtbaren hochrechteckigen Fenstertüren stammen nämlich ebenfalls aus dieser Umbauphase. Bei der Aufstockung dieses Traktes in den fünfziger Jahren wird über der Terrasse auf vorkragender dünner Betonplatte ein Balkon angebracht. Das ausgebaute Dachgeschoss darüber ist als Dachgaubenband mansardartig zwischen die beiden zur Strasse tretenden Baukörper gespannt und durch seine Verschieferung farblich den dunklen Flächen angepasst. Der rechte Gebäudeteil schließlich zeigt im Erdgeschoss mit den hochrechteckigen Kreuzstockfenstern und dem werksteinrelief-bekrönten Eingang noch Elemente des Ursprungsbaus; die Aufstockung ist in Proportion und Fensterausbildung in einfachen Formen der Nachkriegszeit gehalten. Die auf Backsteinunterbau befindliche Terrasse ist heute mit einem einfachen Metallzaun geschlossen, in den zwanziger Jahren ist hier eine ornamental gestaltete Brüstungsmauer angebracht worden. Die Gartenseite des Gebäudes besitzt vor allem im Erdgeschoss noch originales Mauerwerk, Türen und Fenster, hier findet sich zum Teil der vorne noch in einem Beispiel vorhandene rundbogige Fenstertyp wieder. Vor das Erdgeschoss ist eine Glasüberdachung der ehemaligen Terrasse angebracht, die in den Garten überleitet. Ein Balkon befindet sich vor den ehemaligen Krankenzimmern des Mittelflügel-Obergeschosses. Im Inneren ist das Gebäude entsprechend den An- und Umbauten der Bauchronologie ebenfalls mehrfach verändert, zahlreiche Grundstrukturen und Details seiner Nutzung sind jedoch erhalten und anschaulich geblieben. Erschlossen werden die Geschosse durch zwei Treppenhäuser: eine ursprüngliche Holztreppe im linken und eine Kunststeintreppe mit Metallgeländer der fünfziger Jahre im rechten Gebäudeteil. Die 1997 noch am Anlaufpfosten im Erdgeschoss befindliche Schlange ist nicht mehr vorhanden. Vom ersten Absatz des älteren Treppenhauses aus gelangt man durch einen Durchbruch in den 1927/28 hinzugefügten, im Erdgeschoss höher gelegenen Anbau. Zentraler Raumteil des Krankenhauses sind ehemals Schlafraum und Liegesaal, die sich im rückwärtigen Teil des linken Gebäudeteils und in dem zurückliegenden Mittelflügel befinden. Die ursprünglich großen, nicht unterteilten Räume der Kinderbewahranstalt werden zunächst durch Glaswände untergliedert, dann seit den dreißiger Jahren durch eingestellte Zwischenwände in Isolierboxen aufgeteilt, was in veränderten zeitgenössischen Einstellungen hinsichtlich der Unterbringung kranker Kinder begründet ist. Heute erscheint der Grundriss durch die Büronutzung der letzten Jahre weiter verunklärt, er ist aber im Bestandsplan anhand der Darstellung der massiven Wände noch deutlich ablesbar. Zwei der als Raumteiler fungierenden historischen Leichtbauwände sind kasettiert bzw. mit Glasfenstern versehen. Charakteristisch ist ferner, dass die ehemaligen Liegesäle durch große Fenster(-türen) zur Terrasse bzw. zum Garten geöffnet sind. Das kleine Zimmer links neben der straßenseitigen Terrasse kommt erst durch den Umbau der dreißiger Jahre zustande. Ehemals ist seine Rückfront Außenfassade und nimmt eine große doppelflügelige Tür auf, die direkt in die Liegesäle führt. Nach Schließung dieser Eingangslösung ist laut Plan ein Operationszimmer untergebracht. In diesem Zimmer, dessen neue Außenwand mit symmetrisch unter und neben dem Fenster angeordneten Wandschränken versehen ist, befindet sich auch das bekannte Nikolausrelief des Viersener Künstlers Heinz Peter Dreimüller, das entgegen anderen Darstellungen wohl nicht versetzt wird, sondern nur durch den Umbau von außen nach innen gelangt. Ausstattung und Erlebbarkeit eines historischen Raumes sind in diesem Zimmer noch in besonderen Maße gegeben; hierzu tragen das Fenster der dreißiger Jahre nach vorne und wohl des Ursprungsbau zu Seite bei. Den linken Gebäudeteil kennzeichnet eine kleinteilige Raumaufteilung, da hier einzelne Behandlungszimmer, aber auch Einzel-Krankenräume und Aufenthalts- bzw. Personalräume nachweisbar sind. Das Obergeschoss des Mittelflügels hingegen zeigt wieder größere, ehemals durch Leichtbauwände unterteilte Räume für Krankensäle bzw. Isolierkabinen. Auch hier führen Fenstertüren nach draußen auf die Balkone. Im zur Strasse abgeknickten rechten Gebäude sind ehemals im Erdgeschoss ein Röntgenzimmer und im Obergeschoss ein Isolierzimmer angeordnet. Im heutigen Grundriss immer noch gut ablesbar ist der charakteristische, da die beengten Raumverhältnisse widerspiegelnde Mittelflur des Obergeschosses. Besonders bemerkenswert sind im Dachgeschoss darüber die kleinen Schlafzellen der Schwestern und Pfleger, die sich ebenfalls entlang eines Mittelflures aufreihen. Auf ihren Türen sind noch die Namen der Rauminhaber zu lesen. Insgesamt sind eine Vielzahl von Fenstern der 1910er bis 1930er Jahr mit originalen Beschlägen sowie originale Innentüren mit kassettierten Türblättern erhalten.

Bautyp:

Eine bautypologische Einordnung des Gebäudes ist nur bedingt möglich, da es zunächst als Kinderbewahranstalt , auch Kinderbewahrschule (vergleichbar in etwa den heutigen Kingergärten) errichtet und erst in den zwanziger Jahren zum Kinderkrankenhaus umgewidmet wird. Beiden Bautypen gemein ist neben ihrer Ausrichtung auf Kinder ihre Entstehung im 19. Jahrhundert, so dass es sich bei beiden um Bauaufgaben der Moderne und des Industriezeitalters handelt. So hängt die Einrichtung von Kinderkrippen, -bewahranstalten, Kleinkinderschulen etc. eng mit der Industrialisierung zusammen, da die Kinder berufstätiger Eltern/Mütter, die sich keine private Betreuung leisten können, tagsüber untergebracht und versorgt werden müssen. Ebenso beginnt nach Vorläufern im 18. Jahrhundert etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Einrichtung eigener Kinderkrankenhäuser für Kinder bis 12, 14 oder 16 Jahre getrennt von den eigentlichen großen Krankenanstalten. Auch hier liegt es in der Natur der Sache, dass es sich dabei zunächst in erster Linie um Einrichtungen für mittellose Kreise handelt, die sich keine private ärztliche Versorgung leisten können. Die Anfänge werden zunächst auf privater Grundlage durch sozial engagierte Mediziner und Reformer geschaffen. 1897 kann das Handbuch der Architektur feststellen, dass vor allem in großen Städten eigene Kinderkrankenhäuser eingerichtet worden sind. Durch die Spezialisierung sollten die Kinder als noch besonders anfällige Patienten von den übrigen Kranken isoliert werden und diese zugleich vor den meist sehr ansteckenden Infektionskrankheiten der Kinder (z.B. Diphtherie, Scharlach, Keuchhusten, Masern) geschützt werden. Im allgemeinen Krankenhausbau ist die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gekennzeichnet von einem Rückgang der während des 19. Jahrhunderts noch sehr fortschrittlichen und häufig verwendeten reinen Pavillonbauweise hin zu wieder stärkerer Konzentration der medizinischen Einrichtungen, da die Pavillonbauweise zum einen sehr kostspielig ist, zum anderen hinsichtlich ihrer positiven Eigenschaften (gute Isolierung und Freiluftanbindung) durch andere bauliche Maßnahmen ersetzt wird. Hierzu zählen die striktere Anordnung der Gebäude zur Sonne (d.h. z.B. bei Liegeräumen nach Süden) und die Integration von Terrassen, Veranden und Balkonen in Gebäude und Therapie. Genau diese Elemente zeigt auch das Kinderkrankenhaus in Viersen. Es zeugt daher mit seiner erhaltenen Terrasse des Ursprungsbaus, dem darüber befindlichen Balkon(en), aber auch mit der Einbindung eines rückwärtigen Gartens von aktuellen Tendenzen im Krankenhausbau seiner Zeit, die bereits in der ursprünglichen Kinderbewahranstalt angelegt und übernommen werden.

Denkmalwert:

Als ehemalige Kinderbewahranstalt und dann Kinderkrankenhaus und damit als Zeugnis des (kirchlichen) Sozial- und Gesundheitsfürsorgewesens ist das Gebäude Am Klosterweiher 40 bedeutend für die Stadt Viersen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht ein öffentliches Interesse aus wissenschaftlichen, insbesondere sozialgeschichtlichen und architekturgeschichtlichen Gründen. Erstere ergeben sich aus seinem Zeugniswert für das öffentliche Kinderfürsorgewesen in der Stadt Viersen, letztere aus seiner bautypologischen Stellung und aus seiner gestalterischen Eigenart und Qualität. Das Gebäude ist außen in sehr traditionalistischen, landschaftstypischen Formen und Materialien gehalten: Backstein, Satteldach, Sprossenfenster, sparsame Schmuckformen. Besonders bemerkenswert ist die Anpassung aller Um- und Erweiterungsbauten an den ursprünglichen Baukörper. So ist der Erweiterungsbau von Frielingsdorf nur durch das etwas hellere Steinmaterial vom Altbau zu unterscheiden. Sogar die besser identifizierbaren, etwas qualitätsloseren Teile der fünfziger Jahre führen den ursprünglichen Formgedanken fort, wie z.B. die leichte Abschleppung des Satteldaches auf dem rechten Gebäudeteil. Gut gelöst wird die städtebauliche Einbindung des Gebäudes, das den Richtungswechsel der Strasse, die vor ihm eine leichte Kurve schreibt, durch die Zurücknahme des Mittelflügels und die vorgelagerte Terrasse überspielt bzw. vermittelt, so dass der rechte und der linke Gebäudeteil unterschiedlich ausgerichtet sind. Zum Zeitpunkt seiner grundlegenden Konzeption 1912/13 kann das Gebäude mit seinem antihistoristischen, sachlichen Traditionalismus gestalterisch als auf der Höhe seiner Zeit gelten, augenfällig insbesondere im Vergleich zum nur unwesentlich älteren Nachgebäude Am Klosterweiher 42 von 1905. Für die darauffolgenden Um- und Anbauten kann dieses nicht mehr gelten, was jedoch in deren Anpassung an den Ursprungsbau begründet ist. Die betreffenden Teile wirken dennoch nicht ungestalt oder anachronistisch, was die bis in die fünfziger Jahre hinein wirksame Kontinuität traditionalistischen Bauens, einer der wichtigen Strömungen der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts, belegt. Der Außenbau bringt zudem jeweils verschiedene Funktionen der inneren Raumnutzung zum Ausdruck. Besonders deutlich wird dies an den Fenstertüren vor Terrasse und Balkon, die die dahinter liegenden Schlafsäle bzw. -räume kennzeichnen.

ehem. Kindergarten an der Heierstr.

Kindergarten St. Josef

Wohnheim Neetixhof

Kindergarten St. Notburga

Kindergarten St. Hildegardis

Kindergarten St. Marien

Kindergarten St. Helena

Kindergarten St. Peter

Kindergarten St. Elisabeth

Kindergarten Marienheim

ehem. Jugendheim OT Marienheim

Notburgahaus

aus "Was bietet Viersen" vom Oktober 1951

 

wurde 1902 durch Dechant Stroux, Ober­pfarrer an St. Remigius, gegründet. Die Bausumme wurde aufgebracht durch Spen­den, besonders durch eine Spende der Geschwister Nauen, die in Düren wohnten. Davon hat die Nauenstraße ihren Namen. Der Zweck des Hauses war; Heim für die erwerbstätigen Jungfrauen und Mädchen zu sein. Dort wurden Koch-, Näh-, Bügel-und Stopfkurse gehalten. Eine Reihe edler Frauen und Jungfrauen gaben unentgeltlich Unterricht an die jungen Mädchen. Der Notburgaverein, der die Mädchen der Sektion Rahser umfaßte, gab sich beson­ders Mühe um diese wirtschaftliche Schu­lung der Mädchen und zugleich um die seelische und sittliche Weiterbildung der jungen Mädchenwelt. Der Kindergarten wurde von Maria-Hilf aus betreut.
1923 wurde der große Saal zur Kapelle der neugegründeten Gemeinde St. Notburga eingerichtet. In den oberen Räumen und in der Küche wurden die Kurse weitergeführt.
1933 wurde der hintere Teil des Hauses aufgestockt, um Schwestern in dem Hause unterzubringen. Zu gleicher Zeit wurde der Kindergarten modernisiert.
1939 wurde das Kellergescho
ß für das Al­tersheim in 2 Abschnitten errichtet. Es sollte zugleich als Luftschutzkeller für die Mädchenschule dienen.
1946 Fortsetzung der Bauarbeiten am Al­tersheim, das in 26m Front dem alten Notburgahaus vorgelagert ist. Bis 1947 war der Rohbau erstellt. 1948 wurde der
Innenausbau vollzogen und der Anschluß an das alte Gebäude hergestellt.
1949/50 und 51 wurden dann das Pfarr­heim, Werkstätten und Wohnungen hinter dem Notburgahaus errichtet.
Seit 1933 dient das Notburgahaus als Leichtnervenkrankenhaus. Zu gleicher Zeit wurden die verfügbaren Zimmer auch schon für alte Leute hergerichtet, bis 1948 dann das endgültige Altersheim sei­ner Bestimmung übergeben werden konnte. Am 14. Oktober 1951 wird es eingeweiht. Morgens um 10 Uhr ist feierliches Hoch­amt, danach Weihe des Hauses. Um ½ 12 Uhr ist Festakt im Pfarrsaal, nachmittags um 18 Uhr Pfarrfamilienfeier im Pfarrsaal. Die Vergrößerung des Notburgahauses bedeutet nicht nur die Hinzufügung eines Bauwerkes mit edlen, schönen Architek­turen das den nordöstlichen Teil Rahsers bereichert, sondern vor allem einen wesentlichen Faktor in der kulturell-seel­sorgerischen Entwicklung der jungen Pfarrgemeinde von St. Notburga, die von hier aus bedeutsame neue Impulse emp­fangen kann.


 

Text aus "Erinnerungen aus St. Notburga 1923 - 1958" von Franziska Hamacher 1958

 

"Das  Notburgahaus wurde im  Jahre   1902 von den Geschwistern Nauen  für die Rahser Mädchen gestiftet. Dieses Haus wurde der  hl.   Notburga geweiht. Ganz sicher haben die Stifter die  hl. Notburga, die Dienstmagd  Got­tes, geliebt. Die 300 Mädchen die da damals ein und aus gingen, nannte man den Notburgaverein. Es war zur Zeit, das größte Haus vom Rahser. Ein großer Theatersaal und ein kl. Saal waren darin. Ein Kindergarten, eine  Nähschule   und  nebenbei noch viele  andere   Zimmer. Dort wurden die  Mädchen als  gute  Christen und  tüchtäge  Hausfrauen erzogen.   Die ganze   Leitung hatten ein Paar ältere Damen, Frl.   Breuer, und Frl. Reiser. Es gibt, nur wenige Häuser, wo soviel Friede, Gluck und Freude von aus­ging, wie das Notburgahaus. Noch heute erzählen die älteren Leutchen mit Begeisterung, das sie dort Karrenweise an Freude gehabt haben. Ich selber habe es nach viele Jahre miterlebt."


aus "Was bietet Viersen" vom Oktober 1951

Das auf dem Bild gezeigte fast klassisch zu nennende schöne Vordergebäude des Notburgahauses in Viersen-Rahser wurde von dem bekannten Aachener Architek-ten Peter Salm, dem Planer des Priesterseminars in Aachen, entworfen, und in der materialkargen Zeit vor der Währungsreform von der Viersener Baufirma Paul Metz erstell. Nach Anschluß des Vorderhauses mit dem Zentralgebäude wurden von 1948 bis 1951 in zielbewußter Arbeit ein umfangreicher Komplex von Wirtschaftsge­bäuden, Wohnungen und ein geräumiger Pfarrsaal errichtet. Das Notburgahaus, des­sen Ausbau zur Verwirklichung umfäng­licher erzieherischer und sozialer Zwecke dienen wird, entstand durch die zielbe­wußte jahrlange Initiative des unermüdlichem jetzigen Pfarrherrn Pastor Franz Lambertz an St. Notburga. Das Haus, von dem wir in unserem Oktober-Prospekt eingehemd berichteten, gehört in seiner jetzigen Gestaltung zu den architektonisch wertvollen Gebäulichkeiten der Stadt.

Jugendheim St. Notburga (Trichter)

ehem. Kloster Sancti Pauli-Bekehrung

1408

Gründung der Viersener Beghinenklause durch die Schwestern Gertrud, Agnes und Katharina ter Dyck auf ihrem Grundbesitz, dem Hof ter Dyck im Stadtteil Rintgen mit 5,5 Morgen Ackerland.
Ihnen schließen sich bald weitere Frauen an.
Vorsteher war Vikar Matthias Weisen bis 1439.

1423

Errichtung eines zweistöckigen Gebäudes an der Straße Am Klosterweiher für die Beghinen (abgebrochen 1905).

22.2.1424

Urkundliche Anerkennung des Beghinenkonvents durch öffentlichen Schöffenbrief der Herrlichkeit Viersen von Pfarrer Heinrich von Ryneren von St. Remigius und den sieben Schöffen von Viersen.

1437

Gründung des Franziskanerinnenklosters Die Regel des dritten Ordens hatte Franziskus ursprünglich für diejenigen entworfen, welche sich für seinen Orden und das Armutsideal begeisterten, dem Orden aber nicht direkt beitreten konnten. Sie waren von den eigentlichen Klostergelübden entbunden.
Zahlreiche Klöster im Gelderland richteten ihr Leben nach dieser dritten Regel des Hl. Franziskus (Tertiarier) aus, vielen genügte sie jedoch nicht und sie suchten im Rahmen dieser Tertiarierregel eine feste klösterliche Vereinigung. So entstand der Orden der regulierten Tertiarier und Tertiarierinnen, dessen Regel auch die Viersener Beghinen annehmen.
Auf Antrag der Schwestern bei Erzbischof Dietrich von Moers erhalten sie das Recht auf einen eigenen, vom Klostervisitator der Franziskaner einzusetzenden, Klostergeistlichen.

15.2.1438

Urkundliche Genehmigung einer Kapelle mit Aufbewahrung des hl. Sakramentes und der hl. Öle und eines Friedhofes durch Erzbischof Dietrich von Moers. Die Schwestern erhalten das Recht, sich Oberinnen zu wählen, sie werden "Schwester Mutter" oder im Dialekt "Süster Matersche" oder "Moedersche" genannt.

25.1.1439

Konsekration der Kapelle zu Ehren des Apostels Paulus durch Weihbischof Johannes Schleeter von Köln. Von nun an trägt der Konvent den Namen Kloster Sancti Pauli Bekehrung.

12.09.1449

Urkundliche Anerkennung der Vorrechte des Klosters innerhalb der Pfarre St. Remigius durch den neuen Pfarrer an St. Remigius Winand Betzeler

14.12.1451

Bestätigung der Privilegien des Klosters durch den deutschen Kardinal Nikolaus von Cues als Kardinallegat des Papstes für Deutschland sowie Erteilung eines Ablasses nach reumütiger Beichte (vere poenitentibus et confessis) für die Besucher der Kapelle.
Von der Pfarrkirche St. Remigius ist das Kloster "exempt", d. h. es steht nicht unter der geistlichen Jurisdiktion des Pfarrers.
Geistliche Aufsichtsbehörde ist der Pater Provinzial vom Kloster St. Nikolaus bei Neuss. Ein Priester dieses Ordens, der Pater Rektor, ist der Sachverwalter des Klosters Sancti Pauli Bekehrung und steht der Oberin in geistlichen und weltlichen Dingen bei. Er ist Seelsorger des Klosters, verwaltet aber auch das Einkommen und Vermögen.
Das Kloster zählt stets 50 Schwestern, auf diese Zahl ist die Aufnahme begrenzt, meist stammen sie aus alten Bauernfamilien aus Viersen und Umgebung. So wächst der Grundbesitz des Klosters durch Erbschaften und Vermächtnisse. Die Schwestern haben auch das Recht, eigenes Vermögen zu besitzen, welches nach ihrem Tod dem Kloster zufällt.
Das "Rekenbuk" (Verechnungsbuch) von 1605 bis 1802, welches sich heute im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf befindet, gibt Aufschluss, wie häufig Bauern, Geschäftsleute, aber auch Städte und Gemeinden beim Kloster Darlehen aufnahmen.

1555

Als 1543 mit dem Herzogtum Geldern auch Viersen den spanischen Niederlanden einverleibt wird, kommt es zum öffentlichen Aufruhr, die Aufrührer besetzen sogar die Remigiuskirche. Die spanische Regierung legt 1555 Landsknechte nach Viersen, welche die Aufrührer gefangen nehmen.
Ferdinand Dohr berichtet:
"Zur Dämpfung des Aufruhrs und zur Bestrafung der Schuldigen entsandte das spanische Obergericht in Arnheim am 13. Mai 1555 eine Kommission [ ] nach Viersen, wo sie am 16. Mai 1555 anlangte. Sie nahmen im Kloster Sancti Pauli ihren Aufenthalt. Am 22. Mai 1555 fand gleichfalls in het Closterken St. Pauli' die erste Gerichtsverhandlung statt. Fünf Viersener standen als Haupträdelsführer vor Gericht. [ ] Die Angeklagten leugneten die ihnen zur Last gelegten Schandtaten. Darauf fand in der Nacht zum 23. Mai 1555 in der Scheune des Klosters die scherpe Examinatie - Folterung' durch den nymwegischen Scharfrichter statt, auf Grund derer die Angeklagten gestanden. In der Gerichtssitzung am 24. Mai 1555 [ ] im Kloster wurden die fünf Angeklagten zum Tode verurteilt. Der Pater Rektor gab ihnen in der Nacht geistlichen Zuspruch. Am Samstag, dem 25. Mai 1555 wurden die Verurteilten durch die Landsknechte vom Kloster zum Weisenstein auf den Alten Markt gebracht [ ] und auf den Stein gestellt. Dann las der Vogt to Gerritz vor versammelter Menge den Verurteilten das Urteil vor [ ]. Dann brachte der Henkerswagen die fünf Verurteilten zur Hinrichtung auf den Galgenberg in Helenabrunn. [ ] Was werden der Pater Rektor Jakob Berghs und die Franziskanessen froh gewesen sein, diese den Frieden ihres Klosters Sancti Pauli so bedrückenden Tage hinter sich gebracht zu haben."

1642

Im Dreißigjährigen Krieg leiden auch Viersen und das Kloster Sancti Pauli unter Plünderungen, besonders schwer im Jahr 1642.

1781

Errichtung der sieben Fußfälle als Stiftung durch Anna Cat. Busch

2.8.1802

Aufhebung des Klosters durch die Franzosen. Die letzten 11 Schwestern müssen am 11. August 1802 mit dem Pater Rektor Albert Cappel das Kloster verlassen. Allein im Arrondissement Crefeld werden zwischen 2. August 1802 und 30. September 1803 37 Klöster aufgehoben. Vom Klostereigentum werden das Klostergelände mit Garten, Mühle, 37,25 ha Land, 7,32 ha Wiesen, 1,98 ha Heide der von Napoleon gegründeten Ehrenlegion zugeschlagen. Der französische Domainenbeamte Lefort nimmt im Kloster Wohnung und Amtssitz.

1811

Ankauf des Klostergeländes mit den Klostergebäuden durch den Dülkener Fabrikanten Hönning. Verschiedene Teile des Klosterlandes (Wald, Heide etc.) wurden bereits ab 1808 verkauft, jedoch erwarb kein Viersener Bauer Klosterland, da sie sich den Schwestern verbunden fühlten und das Ende des Klosters mit Trauer sahen.

1819

Niederlegung der Kapelle

1880

Nachdem in den Gebäuden bereits seit Jahren durch verschiedene Besitzer Seidenfabrikation betrieben wurde, ging das Klostergrundstück 1880 in den Besitz der Krefelder Seidenfirma Rüdenberg, Mastbaum & Co. über, welche 1897 in Mechanische Seidenweberei GmbH Viersen umbenannt wurde.
Bis 1973 blieb das Klostergelände im Besitz der Mechanischen Seidenweberei AG Viersen, die ihre Produktion dann verlagerte. 1974 wurden die Gebäude auf dem ehemaligen Klostergelände niedergelegt.

1905

Abriss des 1423 errichteten Klostergebäudes

 


Quelle:
Ferdinand Dohr: Der Konvent Sancti Pauli Bekehrung in Viersen 1408-1802. Schriftenreihe des Stadtarchivs Viersen Nr. 7.Viersen 1974