Sonstige

Fussfälle, Brunnen..

Helenenbrunnen

 
 
Der Ursprung des Helenenbrunnens geht zurück auf folgende Legende: Die Kaiserin Helena befindet sich auf einer Wallfahrt von St. Gereon in Köln zum Grab des Heiligen Victor in Xanten. Es ist Hochsommer und Helena ist sehr durstig. Im heutigen Stadtteil Helenabrunn führt ein Junge die Kaiserin und ihr Gefolge zu einem Klausner, der einen Brunnen besitzt. Nachdem sie ihren Durst gelöscht hat, dankt sie dem Mann mit einem Geldbetrag, von dem ein Heiligenstock zu Ehren des heiligen Apostel Matthias neben dem Brunnen errichtet werden soll.
Daraufhin pilgern jahrhundertelang Gläubige zum Heiligenstock; hier wird später die Helenakapelle erbaut. Im Jahr 1585 ist der Brunnen laut Urkunde von einem Brunnenhäuschen eingefasst. Die heutige Anlage, jedoch ohne die Statue der Heiligen Helena, wird 1795 von Rektor Anton Kimmel ausgeführt. Zwischen zwei niedrigen Mauersockeln erhebt sich ein geschwungener Aufbau. Das Brunnengehäuse besitzt eine rosa Farbgebung mit braunem Umfassungsrand. In der Mitte verschließt ein rundbogig ausgeführtes schmiedeeisernes Törchen den Brunnenschacht. Zwischen vertikalen Stäben befindet sich die Darstellung eines Kreuzes mit einem Kreis darunter, aus dem vier Wasserstrahlen entspringen, die weiter unten auf zwei Wasserwellen treffen. Über dem Rundbogen ist ein alter Stein in Kartuschenform eingemauert. Er trägt die Inschrift: Fons Helena. Rechts und links des Bogens befinden sich zwei Inschriftentafeln mit den Namen der Stifter. Im Jahre 1872 wird die Sandsteinstatue der Heiligen Helena auf der abgeflachten Spitze des Brunnengehäuses errichtet. Sie trägt ein langes faltenreiches Gewand, in der rechten Hand ein großes, diagonal vor ihrem Körper geführtes Kreuz. Die Krone auf dem Haupt der einfarbig weiß gefassten Figur ist vergoldet. Seit dem Jahre 1910 liegt der Helenenbrunnen wegen des gesunkenen Grundwasserspiegels trocken.

7 Fußfallstationen


1. Station (Löhstr.): Jesus wird verurteilt

    


Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle

 


2. Station (Löhstr.): Jesus trägt das Kreuz

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle



3. Station (Remigiusstr.): Jesus begegnet seiner Mutter

           

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle

 

 

 


4. Station (Remigiusstr./Petersstr.): Jesus fällt unter dem Kreuz

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle


 5. Station (Heinrich-Heine-Str.): Jesus und die weinenden Frauen

 

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle


 6. Station (Portiunkulaweg): Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle

 


7. Station (Portiunkulaweg): Jesus stirbt am Kreuz

 

Foto: WB / Grafik: gezeichnet von L. Gaberle


Die Fußfälle sind kleine Stationsbauten, die Szenen aus dem Kreuzweg Jesu zeigen. Weil die Beter früherer Zeiten an jeder Station eine Kniebeuge machten, bekamen die Stationsbauten den Namen Fußfälle". Der Weg führte von St.Remigius zum Kloster Sancti Pauli bzw. zur Mirakelsmadonna, die dort aufbewahrt wurde. (Sie befindet sich heute in der Josephskirche.) Nach der Aufhebung des Klosters endete der Stationsweg am Bosch-Heiligenhäuschen, das 1720 von den Eheleuten Anton Bosch und Margarete Bratel erbaut worden war.

Die Fußfälle entlang Löhstraße und Portiunkulaweg in Viersen wurden 1781 von Anna Catharina Busch gestiftet. F.W. Lohmann berichtet in seiner "Geschichte der Stadt Viersen": "Am ersten Sonntag im Oktober zog alljährlich eine große Rosenkranzprozession von der Pfarrkirche zum Kloster, wobei das Muttergottesbild, von weiß gekleideten Kindern begleitet, unter einem großen Baldachin getragen wurde. In der Karwoche und an anderen besonderen Gebetstagen war der Weg von der Pfarrkirche bis zum Kloster (...) täglich von unzähligen frommen Betern begangen, die an den Fußfällen ihre Gebete verrichteten. Ebenso gingen die Nachbarschaften die Fußfälle, wenn in einer Familie jemand im Sterben lag oder gestorben war, um einen guten Tod zu erflehen oder für die Seelenruhe der Betreffenden zu beten."

1896 (Clemen-Inventar) sind die Fußfälle an ihrem alten Platz vorhanden, 1913 schreibt F.W. Lohmann in seiner "Geschichte der Stadt Viersen", dass noch "Reste" der Fußfälle am Weg stünden. Sechs der sieben Stationen mussten schließlich Verkehrsplanungen weichen. Dechant Frenken ließ die Fußfäüe auf dem alten Friedhof hinter der St.Remigius Kirche aufstellen.  1983 konnte der Stationsweg wiederhergestellt werden. Dabei wurden die z.T. stark beschädigten Stationen restauriert und wo nötig ergänzt, die letzte Station musste unter Einbeziehung älterer Teile weitgehend neu hergestellt werden. Die dabei notwendigen Flickungen und Ergänzungen (v.a. an den Gewänden der Reliefnischen, den Profilen und bis auf eine alle Kugeln) zeugen von der Rettung der seinerzeit substanziell bedrohten Fußfälle. Im veränderten Straßenraum wurden die Stationen in Anlehnung an ihre alten Standorte soweit auf alten Karten ermittelbar neu aufgestellt, auch die einzige immer am Portiunkulaweg verbliebene Station (Nr. 6) musste geringfügig versetzt werden. Die einzelnen Stationen sind weitgehend gleich gestaltet. Es handelt sich um schlichte Pfeiler aus Liedberger Sandstein über breiterem, oben abgeschrägten Sockel. Sie werden überfangen von einer profilierten Kämpferplatte mit geschwungenem Aufsatz, darüber folgen eine heute leere Nische sowie eine bekrönende steinerne Kugel mit einem Kreuz aus Eisen. Im Schaft der Pfeiler ist eine Rechtecknische eingebracht, die von einer (in den 1980er Jahren erneuerten) Gittertüre verschlossen wird. Die Reliefdarstellungen aus Steinguss mit Szenen aus dem Leidensweg Christi sind jüngere Zutaten, laut Clasen (Denkmal-Inventar 1964) aus der Kevelaerer Schule, d.h. wohl um 1900. Über oder unter der Nische ist die Inschrift ACB AO 1781 eingetieft; eine Anfang der 1960er Jahre noch gut lesbare ausführliche Inschrifttafel mit Volutenrahmung ist an der heutigen sechsten Station nur noch schwach erkennbar; Classen zitiert diese Inschrift 1964: AO 1781 HAT DIE EHRS: JUNGFRAV ANNA CAT: BUSCH DIESE FUSFAEL ZUR EHREN GOTTES AVFRICHTEN LASSEN. Die volksreligiöse Tradition der sieben Fußfälle entstand im Spätmittelalter und hatte, ausgehend von Süddeutschland und danach bis in die Niederlande ausgreifend, ihre größte Bedeutung im 17. und 18. Jahrhundert. Sie ist angelehnt an die Erzählung, wonach Christus bei seiner Passion siebenmal unter dem Kreuz gefallen sei. Nachweislich spielt jedoch auch die Symbolik der Zahl "7" für sich genommen eine große Rolle bei den verschiedenen Formen von Gebetsritualen für Sterbende oder Tote, welche an solchen Fußfällen statt fanden. Das Rheinland gilt dabei als ein Zentrum des Fußfall-Brauchtums mit Nachleben bis weit in das 19. und 20. Jahrhundert, als eigentlich schon die neuere und dann auch "kirchenamtliche" Variante der 14 Kreuzwegstationen für die Darstellung des Leidensweges Christi in Gebrauch war. Die Fußfälle in Viersen vom Ende des 18. Jahrhunderts sind dafür ein anschaulicher Beleg, zumal seit sie wieder vollzählig und entlang des alten Prozessionsweges aufgestellt sind. Hierdurch sind auch wieder die historischen Bezugspunkte an Anfang und Ende des Stationsweges (Pfarrkirche St. Remigius/Kloster St. Pauli bzw. Bosch-Heiligenhäuschen) deutlich gemacht.

Beschreibung der Denkmalbehörde