Pfarrkirche St. Remigius:

Pfarrgeschichte in Daten und Fakten:
 
1182 Erzbischof Philipp von Köln bestätigt die vom pastor ecclesie in Viersen
zwischen 1159 und 1168 gemachte Rentenstiftung für das Kölner Gereonstift und bestimmt, dass die Viersener Kirche nur an einen Kanoniker des Stiftes vergeben werden soll.
1201 war das Entstehungsjahr der mehrfach umgegossenen Remigiusglocke.
1213 wurde die Viersener Kirche der Propstei des Kölner St. Gereonstiftes
inkorporiert (einverleibt).
1223 nahm Papst Honorius III. das Stift unter den Schutz des päpstlichen Stuhles und bestätigte ihm den Besitz seiner Güter und Kirchen (Patronate), darunter auch Viersen.
1235 wurde die Viersener Kirche als der Propstei zugehörig benannt, da die Propstei
das Patronatsrecht habe.
1243 wurde ein "plebanus" (Weltpriester) in Viersen erwähnt.
1246 soll die Pfarre schon gut "dotiert" gewesen sein.
1250 vermachte Propst Arnold testamentarisch den Stiftspriestern von St. Gereon u.a. 6 Solidi, die er von dem Viersener Edelherren Goswin von Ilem gekauft hatte und die von dessen Gütern in der "parochia de Viersen" in Rintgen, Bockert, Beberich, und Hamm gezahlt wurden.
1290 - 1305 gehörte die Viersener Pfarre zum Dekanat Mülgau, dann Dekanat Süchteln im Archidiakonat Xanten - Erzbistum Köln.
1408 wurde die Pfarre in zwei Zehntbezirke eingeteilt, in die "Kirch- und Lakseite". Für die Kirchseite wurde der Zehnt in Naturalien, und für die Lakseite in Geld als Pacht von den Schöffen und Geschworenen erhoben.
1408 gründen die Geschwister Agnes, Katharina und Gertrud ter Dyck auf ihrem Hof im Rintgen ein Klause, den späteren Beginenkonvent.
1424 ältestes Kirchensiegel mit dem Brustbild des hl. Remigius.
1555 Baupflicht für die Kirche:
           - Chor, das St. Gereonstift, 
           - Kirchenschiff und Pastorat, die Pfarrgemeinde,
           - Turm, die Zivilgemeinde (da als Wehr- und Wachtturm genutzt).
1559 wurde Viersen durch Papst Paul IV. dem neuen Bistum Roermond zugewiesen.
1570 wurden drei Hofbesitzer aus Ompert (südliches Stadtgebiet) und fünf weitere Personen wegen Ketzerei vor das Bischöfliche Gericht in Roermond geladen. Da sie jedoch auch nach zweimaliger Vorladung nicht erschienen und geflohen waren, wurde ihr Vermögen eingezogen. 1577 bemächtigten sich die niederländischen Generalstaaten des Oberquartiers Geldern, wozu auch Viersen gehörte.
1578 Graf Johann von Nassau, Bruder des Prinzen von Oranien, der den Katholizismus bekämpfte, war Statthalter Gelderns geworden. Er machte sich zur Aufgabe, im katholischen Gelderland die Reformation durchzuführen, obwohl er in der Genfer Pazifikation von 1576 die freie Ausübung der katholischen Religion beschworen hatte.
1583 beschworen die Generalstaaten fortan nur noch die reformierte Lehre zu dulden.
1587 eroberte Prinz Alexander von Parma das geldrische Oberquartier und stellte die freie katholische Religionsausübung wieder her.
1603 scheint es um das katholische religiöse Leben in Viersen nicht gut bestellt gewesen zu sein, denn der damalige Schultheiß schrieb einen massiven Beschwerdebrief an das Gereonskapitel in Köln.
1611 eingerissene Missstände wurden bei einer in diesem Jahr stattfindenden Mission deutlich. Die mit besonderer päpstlichen Vollmacht ausgestatteten Jesuiten sorgten in Gegenwart des Pastors Petrus Kesselburg, dass mehrere ungültig geschlossene Ehen "saniert" wurden.
1632 bemächtigten sich die Generalstaaten wieder des Oberquartiers und für die Katholiken begannen wieder schwere Zeiten.
1635 lautete eine versteckte Notiz im ältesten Taufbuch der Pfarre (1608 - 1645): "...getauft im Pfarrhause, da der Gottesdienst in der Kirche von den Häretikern untersagt war."
1636 wieder im Taufbuch: "...die übrigen sind wegen des Verbotes der Holländer heimlich außerhalb der Kirche getauft worden."  1636 "... die übrigen sind getauft worden zu Dülken." Dülken gehörte zum Herzogtum Jülich und war nicht den Repressalien wie die Viersener die zum Herzogtum Geldern gehörten, ausgesetzt.
1637 eine weitere Notiz: "Da das holländische Verbot und unser Exil aufhörte, wurde zuerst [wieder] in unserer Kirche getauft."
1642 wurde Viersen durch hessisch-weimarische Truppen geplündert und die Pfarrkirche ausgeraubt.
1649 erstellte der Pfarrer von St. Remigius und Landdechant des Dekanates Krickenbeck, Gerhardus Pontanus (Gerhard Verbruggen), ein "getreues und neues" Verzeichnis der Güter, Rechte und jährlichen Einkünfte des Pastors.
1650 seit dieser Zeit wurde in der Kapelle der hl. Helene in Heimer regelmäßig zweimal wöchentlich Gottesdienst gehalten.
1666 wurde dort eine größere Kapelle gebaut und mit Rücksicht auf Kinder und ältere Leute - da die Pfarrkirche St. Remigius ca. eine Stunde entfernt war - vom Bischof von Roermond genehmigt, auch an Sonn- und Feiertagen eine hl. Messe zu lesen. Allerdings wurden daran Bedingungen geknüpft. So durfte an den kirchlichen Hochfesten dort keine hl. Messe gefeiert werden. Jedoch an normalen Sonn- und Feiertagen war der Priester verpflichtet, eine "ausführliche christliche Lehr ... von wenigsten dreyviertel Stunden langh" zu halten. Dazu hieß es dann noch: "...und verbieten wir auch, das keiner so zu diesem Gottesdienst kompt, vor oder nach der Messe Tuback rauche, brandewein oder Wacholderwasser trincke in dem Wirtshaus, oder in einem bey besagter Kapelle gelegenen Hause."
1707 Gründung der reformierten Pfarrei unter den holländischen Generalstaaten.
1711 wurde den Reformierten (8 Familien) die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde mit ca. 5000 Katholiken zum Simultan-Gottesdienst geöffnet. Währenddessen hielten die Katholiken ihren Gottesdienst auf dem bei der Kirche gelegenen Friedhof ab.
1713 wurde das Oberquartier Geldern teilweise an Preußen abgetreten. Damit wurde auch Viersen preußisch.
1725 Erbauung des bis heute noch bestehenden Pfarrhauses an St. Remigius.
1750 gab es in der St. Remigiuskirche acht Altäre: 1. Hochaltar, 2. Sebastianus- und Eligiusaltar, 3. Servatuis- und Michaelsaltar, 4. Petrusaltar, 5. Kreuzaltar, 6. Annaaltar, Katharinaaltar, 8. Nikolausaltar.
1789 französische Revolution.
1798 verbot die französische Regierung aller öffentlichen gottesdienstlichen Verrichtungen, selbst die Toten mussten in der Kirche und nicht am Grab eingesegnet werden.
1799 Wurde der Sonntag abgeschafft und die Dekade eingeführt, es galt schon länger der französische Kalender. Außerdem ließen die Franzosen nicht nur alle öffentlichen Aufrufe an Kirchen- und Rathaustüren anbringen, sondern diese mussten auch von den Priestern als "Kanzelverkündigungen" verlesen werden, manchmal noch von französischer Seite mit einem Hinweis versehen wie "mit lauter Stimme," oder z.B. "den Pfarrgenossen in der ersten Predigt die Wichtigkeit der Kuhpockenimpfung auf alle mögliche Weise vorzutragen."
1800 Gründung der Pfarre St. Helena in Helenabrunn.
1801 zählte Viersen mehr als 5000 Katholiken und wurde daher zur Kantonalkirche 1. Klasse erhoben.
1801 mussten die kirchlichen Tauf-, Trau- und Sterbebücher an die Zivilgemeinde (Archiv) abgeliefert werden, da 1798 das Zivilstandsregister von den Franzosen eingeführt worden war. 1801 Bischof Marc Antoine Berdolet wurde erster Bischof des neugegründeten Bistums Aachen, zu dem auch Viersen gehörte. Im Oktober dieses Jahres besuchte er Viersen und wurde bei seiner Ankunft von den Schulkindern in französischer Sprache begrüßt.
1802 begann die Säkularisation (Verstaatlichung) aller kirchlichen Güter. So am 10. August die Aufhebung des Viersener Klosters St. Pauli Bekehrung.
1804 wurden in Aachen die hiesigen Vikarien an den Meistbietenden verkauft.
1804 wurden fast alle Festtage der Heiligen abgesetzt, bis auf vier: Allerheiligen, Christi Geburt, Christi Himmelfahrt und Maria Himmelfahrt.
1806 - 1811 beim Verkauf der Vikarien im Jahr 1804 an den damaligen Viersener Municipal- Agenten und späteren Maire Paul Preyer waren betrügerische Absichten nicht auszuschließen gewesen, es folgte ein langer Rechtsstreit und die Kirche erhielt 1811 ihre Güter zurück.
1815 die französische Herrschaft endete und Viersen wurde wieder preußisch.
1816 Firmung für den hiesigen Bereich in Gladbach, durch den Weihbischof Caspar Maximilian, Bischof von Jericho, (seit 1809, nach dem Tode des Aachener Bischofs Berdolet, war der Bischofsstuhl in Aachen unbesetzt) wo es dann in Aufzeichnungen hieß, "daß seit 36 bis 38 Jahren in hiesiger Gegend nicht mehr gefirmt worden war."
1821 wurde das Bistum Aachen wieder aufgehoben und Viersen kam wieder zum Erzbistum Köln.
1827 gehörte Viersen zum Dekanat Gladbach.
1833/34 wurde der Friedhof um die St. Remigiuskirche nach Osten um einen Morgen erweitert. 1842 wurde die Friedhofskapelle - das heute noch bestehende Kreuzkapellchen - erbaut.
1843 wurde der ehemalige Pfarrer von St. Remigius, Anton Gottfried Klaessen, zum Propst des Kölner Metropolitan-Kapitels ernannt und im gleichen Jahr zum Weihbischof von Köln und Bischof von Gandara ernannt.
1856 wurde Viersen im Rahmen einer preußischen Verordnung "Stadt".
1879 erste Überlegungen durch Oberpfarrer Schroeteler, zwei neue Pfarrsysteme für Viersen zu schaffen.
1886 gab es in der Stadt 18000 Katholiken.
1891 Fertigstellung der Kirche St. Josef in Rintgen und St. Peter in Bockert.
1895 wurden beide Pfarrsysteme zur Pfarrei erhoben.
1914/18 hatte die Pfarre St. Remigius 291 gefallene Soldaten zu beklagen.
1929 wurde das neue Gotteshaus für die Bewohner des Ortsteil Rahser - die St. Notburga-Kirche geweiht.
1933 Machtübernahme des Nationalsozialismus und damit im Laufe der nächsten Jahre immer mehr Einschränkungen des kirchlichen Lebens.
1937 katholische Schulen wurden aufgehoben.
1939 Ausbruch des 2. Weltkrieges und damit Beginn weiterer Repressalien.
1942 mussten die Glocken, soweit sie keine historische Bedeutung hatten, abgeliefert werden. Von 7 in der Pfarrkirche vorhandenen Glocken nahmen 5 diesen Weg. Nur die Marienglocke von 1506 und das kleine Glöckchen im Dachreiter verblieben der Pfarre. 2 kleine Glocken von 1526 hatten auf dem Glockenfriedhof in Hamburg den Krieg überstanden und kehrten nach St. Remigius zurück, die kleine Glocke im Dachreiter fiel den Bomben zum Opfer.
Um möglichst viele Menschen vom Besuch der Gottesdienste fernzuhalten, wurden bei nächtlichen Fliegerangriffen die Frühgottesdienste bis 10 Uhr verboten.
1944 gelobten die Katholiken von Viersen am 15. Oktober "... nach dem Kriege ... nach besten Kräften beizusteuern zum Bau einer Kirche die dem Unbefleckten Herzen Maria geweiht werden soll..."
1944 am 24. Februar wird beim schwersten Bombenangriff auf Viersen die altehrwürdige St. Remigiuskirche wie auch das Pfarrhaus bis auf die Grundmauern zerstört.
1945 1. März, 17 Uhr Besetzung der Stadt durch die Amerikaner. Am 15. März gestattete die Besatzungsbehörde wieder die Abhaltung von Gottesdiensten. Es wurde für die Pfarre eine Notkirche im (alten) Marienheim, Kaiserstr. 33 eingerichtet.
1945 - 1949 Wiederaufbau der Pfarrkirche und zu verschiedenen kirchlichen Zwecken
genutzter Häuser.
1949 am 25. September feierliche Weihe der wiedererrichteten St. Remigiuskirche. Am Abend dieses Tages Feierstunde für die Pfarrgemeinde in der Städtischen Festhalle (diese hatte den Krieg unbeschadet überstanden). An Kriegsopfern waren in der Pfarre zu beklagen: 309 gefallene Soldaten, 98 durch Bomben getötete Privatpersonen. Zu den Gefallenen zählte auch der von 1936 - 1942 als Kaplan an St. Remigius tätige und spätere Divisions- Pfarrer Gustav Raab. Er wurde in russischer Kriegsgefangenschaft erschossen und zählt zu den Blutzeugen des 2. Weltkrieges im Bistum Aachen.
1958 hatte St. Remigius 8300 Pfarrangehörige.
 
 © Zusammengestellt von Heinz und Margret Hesse, Viersen
 
Quellennachweis:   Stadtarchiv Viersen, Taufbuch der Pfarre St. Remigius von 1608 - 1645  
 
Literaturnachweis:  Frenken, G. Die Geschichte der Kirche und Pfarre zum hl. Remigius, 1963
                                  Lohmann, F.W., Geschichte der Stadt Viersen, Viersen 1913
 
                                  Landschaftsverband Rheinland (Hg.), Rheinischer Städteatlas Viersen,
                                  Lieferung VI, Nr. 34, 1980
Zusätzliche Informationen finden Sie unter der Baugeschichte der Pfarrkirche.