Kirchenmusik an St. Remigius

Die Gemeinde St. Remigius pflegt ein breites Spektrum an kirchenmusikalischen Aktivitäten
zur angemessenen Begleitung der Gottesdienste insbesondere an den Hochfesten des Kirchenjahres
und als kulturelles Angebot an die Gemeindemitglieder.



Informieren Sie sich hier über:
die unterschiedlichen musikalischen Ensembles unserer Gemeinde
die wertvollen Orgeln unserer Kirche
• unsere jährlichen Konzertreihen (im PDF Format)
• den Förderverein für Kirchenmusik an St. Remigius Viersen e.V.
• CD- Einspielungen hochkarätiger Organisten und Konzertmitschnitte
Leiter der kirchenmusikalischen Arbeit ist Kantor Thorsten Konigorski. Weitere Informationen zu unserer Kirchenmusik finden Sie auf www.thorsten-konigorski.de
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unseren Veranstaltungen. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

ein Text von H. W. Hoff von 08.2012

..., denn sie schenkten mir ihre Stimme

Erinnerungen eines Kirchenmusikers - gewissermaßen mit einem "Blick von außen"

(nicht zu lesen als eine geschichtliche Kurzfassung)

Erinnern heißt:

o   Menschen in "spürbarer Nähe" begegnen,
ob sie noch leben oder bereits verstorben sind,

o   Ereignisse, auch anscheinend unbedeutende, vergegenwärtigen,

o   Spuren suchen und in Vergessenheit Geratenes neu entdecken,

o   die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart überschreiten.

Eine solche Grenzsituation habe ich vor längerer Zeit in eindringlicher Weise erfahren, so dass ich mich frage, wie konnte ich das vergessen. Die folgenden Gedanken, frei von nostalgischem Erinnerungsgehabe, mögen die Hintergründe erkennen lassen.

Wer sind sie eigentlich?

Sie sangen

o  das Kyrie als königliche Akklamation

o  das Gloria, in dem "unsere Freude über den uns geschenkten Christus wie ein Sonnenaufgang aufleuchtet"

o  das Credo "wie einen Eidschwur, den man nicht jeden Tag spricht"

Sie ließen

                        im Sanctus-Gesang Himmel und Erde sich berühren

Sie erfuhren

                        im Agnus Dei Friede und Versöhnung

Sie sangen  

o   Weihnachten "Puer natus est"

o   Palmsonntag "Gloria laus" ->(    "Laus" buben)

o   Ostern "Resurrexi"

o   Pfingsten "Veni Sancte Spiritus"

o   (um nur einige gregorianische Gesänge anklingen zu lassen)

Sie sangen

Messen, Kantaten und Motetten -
manchmal auch in weniger wohltemperierter Stimmung

 

                        Kurzer Ortswechsel:
                        Natürlich auch "Aus der Traube in die Tonne"
                        Am küh...  - Am küh... - Am kühlenden Morgen...

                        Grüß mir die Reben

Und die Scholaren fanden bei einem gregorianischen Gesang nie ein Ende. (Spirale finale) Also doch Lausbuben!

Wer sind sie eigentlich?

-       Sie sangen   eine 6stg Motette, notiert auf mehr als 30 Notenlinien: Protest des Männerchores. Meine  Reaktion: Da habe ich im Knabenchor keine Probleme. In der darauffolgenden Woche hatte ich perfekte "Partitursänger".

-       Sie probten ein Chorwerk des wortgewandten H. Schütz. Darin: "auf dass alle, alle, alle, alle ..." momentane Sprachlosigkeit im Chor.

-       Sie warteten mit einem gewissen Schalk im Nacken auf das sagenumwobene "Nein" in der Johannespassion am Karfreitag, gesungen von einem der damaligen Kapläne.

-       Sie sahen mit Beklemmung dem dreimaligen "Ecce lignum" entgegen, das der Zelebrant meist zu hoch intonierte. Ein "Todesschrei" beim dritten Versuch. (actus tragicus)

-       Sie - Sopran und Alt sangen mal wieder die "schräge Kante". Stimme des Vorsitzenden aus dem Hintergrund: "Girls, girls, girls"

 

Der Chor vergab auch Ehrentitel z. B. "Maiglöckskes Ernst" oder "Jansen Niët". Und er hatte auch einen Trommler. Wenn der den richtigen Stuhl als Schlagzeug erwischte, dann war die Hölle los.

 

Wer sind sie also?

Jetzt ganz konkret, gewissermaßen als Gruppenaufnahme.

Sie sind die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores St. Cäcilia an St. Remigius im Männer-, Frauen-, Knaben und Kinderchor. Es sind all diejenigen, die längst gemerkt haben, dass sie gemeint sind: Eine große Familie, in der es oft drunter und drüber ging. Da waren die begeisterungsfähigen Mitglieder, solche mit vorsichtiger und ausgleichender Zurückhaltung, diskussionsfreudige und solche, die sich abwandten und eigene Wege gingen. Es gab Enttäuschungen, Verletzungen und Generationsprobleme, die ich zu verantworten hatte. Schließlich kam ich als "Transsilvanier" (Dornbusch) mit leichtem Reisegepäck. Es gab resignative, aber auch ermunternde Zeiten zu neuen Aufbrüchen. Hier geht es nicht um eine kritische Bestandsaufnahme. In diesen Erinnerungen - manchmal mit heiterem Blick formuliert - stehen die Menschen im Mittelpunkt, die mir einmal unersetzbar Wertvolles geschenkt haben und denen ich deswegen etwas schuldig geblieben bin.

In einem Chorkonzert mit mehreren Chören im Quirinusmünster in Neuss sang unser Chor u. a. eine 6stg Motette. Der Oberchor begann mit einem bestechenden Pianissimo und genauso antwortete der Männerchor. Dann vereinigten sich beide Chorgruppen zu einem gewaltigen Chorklang, der das weiträumige Münster erfüllte. (1962)

Wir probten die Johannespassion von J. S. Bach. Da galt es, große Bedenken auszuräumen. Wir probten morgens, mittags und abends. Alle wollte ich auf einen mühsamen Weg mitnehmen. Es folgte die mit Spannung erwartete Generalprobe und die Aufführung, in der die gebündelten Kräfte eine tiefe Begeisterung des Chores auslösten. Ich spürte, dass endlich alle mit mir angekommen waren. Es erklangen mit großer Begeisterung die letzten Worte:
ICH WILL DICH PREISEN EWIGLICH

Was ich sah, kann ich hier nicht beschreiben. Danach nur Stille - kein Applaus. Die beiden ausgewählten "Geistlichen Musiken" stehen stellvertretend für umfangreiche, über Jahrzehnte geleistete Chorarbeit. Sie war nur möglich, weil Menschen sich mit ihrer Zeit und Stimme uneigennützig in den Dienst der Liturgie gestellt haben.

Ich sehe sie alle vor mir, die Jungen und Alten, die Lebenden und die bereits Verstorbenen, die "Nahen" und die "Fernen", alles Trennende überwindend. Ihnen allen widme ich in großer, herzlicher Dankbarkeit diese Zeilen, denn sie schenkten mir einmal ihre Stimme.

 

H. W. Hoff

Kantor an St. Remigius 1960 - 1999